»Nu ja,« sagt Jackel, und zieht die Augenbrauen hoch in die Höh' – »eine recht gute Geige, was sie eine Tanzmeistergeige nennen, die kann ich doch schon nicht unter sechs Gulden zusammenbringen, und eine hübsche Wiener Cither kostet auch so viel – sie sind ein Bischen theuer, aber es ist auch große Arbeit d'ran.«
»Und die gewöhnlichen sind billiger?«
»Ei ja schon – aber doch auch immer zwei bis drei Gulden – unter dem ist's nicht möglich. – Oh ich verdien' ein recht hübsches Geld und Viele haben's noch schlimmer wie ich, in den Bergen –«
Ehrlicher Jackel – wie wohlthätig wäre es Manchem der seine Einnahme nach Tausenden zählt, und immer noch nicht zufrieden ist, immer nicht auskommt, und mit dem Schicksal murrt, sich einmal mit einem solchen Mann zu unterhalten. Wie wenig braucht der Mensch und wie viel braucht er eigentlich. – Mit wie wenigem können Leute glücklich und zufrieden sein, und wie häufig laden wir uns selber da draußen in dem tollen Treiben das wir die Welt nennen, neue und neue Lasten, neue und neue Bedürfnisse auf, keuchen unter dem thörichten Gewicht, das wir freiwillig mitschleppen, und klagen das Schicksal an, daß es uns nicht zu Hülfe kommt.
Es ist Nacht – schon halb im Schlaf hör' ich noch das Klopfen Jackels, der die pyramidenköpfigen Randnägel in die geschmierten Schuhe schlägt. Der Wind hat sich dabei aufgemacht und heult über das Joch, und der Regen schlägt kaltpeitscheud auf das Dach nieder. – Dort steigt der Jackel, mit einem Schuh an, den halbverwesten Leichnam auf der Kraxen, die steile Wand hinunter, und statt dem Bergstock trägt er eine Cither unter dem Arm. – Und wie das prasselt und donnert um uns her. – Das ist ein Rudel Gemsen das über die Reißen setzt und hier hernieder stürmt – und jetzt ist die Büchse abgeschossen. Rasch das Pulver hinein, und die Kugel mit dem Pflaster obendrauf – heiliger Gott sie steckt fest – der Ladstock bringt sie nicht hinunter, und dort steht das ganze Rudel und starrt uns an. – Ha – jetzt geht's – langsam rutscht sie nieder – der kalte Schweiß läuft mir von der Stirn – jetzt sitzt sie – der Ladstock springt – und nun ein Kupferhütchen. – Das eine rutscht aus den Fingern und fällt zwischen die Steine – die Gemsen sehen die Wand hinunter – in der Tasche muß doch noch eins stecken – keins mehr zu finden – und da auch nicht – da wieder nicht – halt hier ist richtig noch eins im Futter drin und nun nach. Noch können die Gemsen nicht aus Schußweite sein, und wenn ich jetzt hinab nach jenem Absatz springe – ha, wie die Steine unter dem flüchtigen Fuß hinwegstieben und nieder, nieder rollen in die Tiefe – weiter und weiter – und jetzt – der ganze Berg rollt. Wie eine furchtbare Fluth schiebt sich die ganze Decke in's Thal hinab dem steilen Abgrund zu, und dort gähnt schon die furchtbare Tiefe schwarz herauf. – Die überhängende Laatsche faßt noch die zitternde Hand, das Gewehr poltert nieder und unten – tief unten in der Nacht hör' ich den dumpfen Knall und wenn der Zweig jetzt – er knackt – er dreht sich in der Hand – hinab – ha – – Gott sei Dank – es war nur ein Traum! Was man für Dinge in den Bergen träumt.
Die Almhütte.
10.
Die Delpz.
Draußen ist's still geworden. Durch das kleine Fenster schaut das Siebengestirn freundlich herein und der Sturm scheint vorüber zu sein. – »Schritte vor der Thür?« – wahrhaftig schon Morgendämmerung, der Kammerdiener kommt zu wecken.
Wie die kalte frische Luft durch die Nerven zieht und die Haut prickelt, aber den Schlaf auch dafür im Nu von den Lidern scheucht. Und was für ein wunderbares Dämmerlicht, da oben auf die hohe Rasenwand der Delpz fällt, und wie nah und niedrig jetzt die Berge aussehn. – – Fangt aber nur an zu steigen und sie dehnen und strecken sich und ihre Gipfel wollen nicht näher kommen, stundenlang.