Jetzt Gesicht, Brust und Hände im kühlen Quell gebadet – nun hinein an das knisternde Feuer so rasch als möglich eine Tasse Kaffee zu bekommen und dann fort, denn eine tüchtige Strecke haben wir zum heutigen Treiben noch zu machen.

Der Mundkoch, zwischen einer Quantität Töpfe und Kannen ist indessen emsig beschäftigt das Frühstück für die Jäger herzustellen, und der Kammerdiener besorgt das Gleiche für die Jagdgesellschaft.

Ueberhaupt ist dieser das Factotum in den Bergen, das Kammrad um das sich die ganze Maschinerie des inneren Ministeriums wenigstens dreht. Stände er einmal still, es gäbe eine Heidenconfusion. Er hat für Alles zu sorgen und sorgt für Alles; die ganze Einrichtung verschwindet auf dem einen Pirschhaus und taucht auf dem anderen wieder auf. – Niemand wüßte wie, wenn nicht die Träger hie und da beim Treiben oben an einer Wand dem Pirschpfad folgend sichtbar würden, und gewissermaßen die Fäden zeigten, an denen sie bewegt werden.

Aber von all den tausend Kleinigkeiten, an die zu denken ist, vergißt er selten oder nie etwas. – Alles ist besorgt, alle Träger sind zur rechten Zeit bestellt und an den rechten Ort gewiesen – Erkundigungen sind schon vorher eingezogen ob an dem neuzuwählenden Platz Heu vorhanden ist, Matratzensäcke und Kopfkissen damit auszustopfen, wie es mit dem Proviant gehalten wird, den der Haushofmeister vom Jagdschloß aus hinauf befördern läßt. – Die Träger die das Essen heraufbringen, nehmen denn auch gewöhnlich die erlegten Gemsen mit, und Boten wechseln dabei herüber und hinüber. Er ist zugleich Tafeldecker und Kammermädchen, Haushofmeister und Kammerdiener, bessert erlittene Schäden aus und beugt neuen vor – hat Alles von Instrumenten und Utensilien in Vorrath was man sich nur denken kann, ein ganzes Arsenal von Knöpfen, Nadeln, Zwirn, Nägeln, Bändern etc. etc. etc.

In seiner ärgsten Geschäftigkeit trägt er dabei einen weißen Hut; nur Morgens nach dem Frühstück wenn Alles abgefertigt, wenn die ganze Jagd hinausgezogen ist in die Berge, und ihm das Feld allein überlassen wurde, dann hat er eine gestrickte Mütze die er aufsetzt, und die Beruhigungsmütze nennt. Dann ist Frieden im Reich, und höchstens Jackel mit den übrigen Trägern zurückgeblieben, seine Anordnungen auszuführen.

Aber fort – fort; draußen hellen sich schon die Höhen und der Morgen bricht sonst an, ehe wir die, noch ziemlich ferne Schlucht erreichen. Kalt und frostig schickt ein scharfer Nordost seinen eisigen Hauch herüber, und die Glieder müssen wir durch Gehn erwärmen. Das ist auch leichte Arbeit in den Bergen, denn jetzt an steiler Lanne hin, den kaum sichtbaren Pirschpfad folgend, jetzt thalauf und ab, fühlt man die Kälte bald nicht mehr, und gar nicht lange, so zeigen die fallenden Schweißtropfen und die heiße Stirn eine ganz andere Temperatur, als die beim Ausgang war.

Die Nacht, oder vielmehr gegen Morgen hatte es etwas geschneit und in dem Delpzkessel selber, an der Nordwand, lag auch noch Schnee von einem früheren Fall her. Dort wurde ich hinaufgeschickt, und zwar so weit, daß ich bis dicht unter die steil anlaufende Wand und auch eine Strecke nach unten – wo außerdem noch gegenüber eine Wehr hinkam, schießen konnte. Die Parole war dabei: ruhig und still liegen zu bleiben und sich nicht zu rühren, denn das Geringste was sich regt, gewahrt die Gemse.

Der einzige günstige Platz den ich mir da oben, wo auch nicht der geringste Busch, nicht die kleinste Laatsche stand, aussuchen konnte, war in einem flachen Erd- oder vielmehr Schneekessel, denn der ganze Hang lag dicht mit gefrorenem Schnee bedeckt. Im Bergsack hatte ich allerdings den für solche Fälle höchst nöthigen Mantel und war auch noch von dem raschen Marsch warm genug, trotz den nackten Knieen eben keinen Frost zu fühlen – aber das Treiben wollte nicht beginnen. Eine Viertelstunde verging – eine halbe – eine ganze Stunde – und noch regte sich nicht das Geringste, weder auf der Höhe von Treibern, noch im Kessel drin von einer Gemse.

Die Zähne fingen mir jetzt an zusammen zu schlagen und ich kauerte mich eine Weile so eng ich konnte auf dem nichtswürdig kalten Schnee zusammen. Die Neugierde läßt den Menschen aber auch da nicht ruhn, und vorsichtig wieder den Kopf hebend, schaute ich mit abgenommenem Hut über den Rand der kleinen Höhlung in der ich lag, ob sich denn noch gar Nichts sehen ließ. Zu hören war nicht das Mindeste.