Während wir wohl noch eine halbe Stunde mit der vergeblichen Nachsuche verloren, war es fast dunkel geworden. Ein frischer Wind der sich zugleich erhob trieb jetzt die oberen Nebelschichten vor sich her, und als wir dicht unter der senkrecht niederfallenden Carwendelwand hingingen, zeigte sich über uns der blaue reine Himmel, an dem einzelne lichte, von der Sonne erhellte Wolken rasch nach Süden zu vorüber zogen. Zu gleicher Zeit wurde die ganze dunkle zackige Wand sichtbar, und wir Alle blieben fast erschreckt vor dem Anblick stehn, der sich hier uns bot.

Die Wolken zogen von uns weg, über die Wand hinüber, und wie es bei halbklarem Himmel, wenn der Mond oben steht, gerade so aussieht, als ob jene ihren Platz behaupteten, und nur der Mond in wilder Flucht hindurchjage, so war es jetzt in wirklich Herz beklemmender Täuschung, als ob die ganze furchtbare düstere Steinmasse, die ihre scharfen Zacken in die klare Luft hineinreckte, langsam nach uns herüber schwankte, und Alle im nächsten Augenblick mit ihrer riesigen Wucht zerschmettern müßte.

Ich wußte, es war nur Augentäuschung, und doch mußte ich den Kopf wegwenden. Wie schön der Anblick war, so über alle Maßen furchtbar und bewältigend war er auch.

Wieder schloß sich da der Nebel, und des zurückkehrenden Martin Bericht brachte uns bald auf andere Gedanken.

Als er nämlich, wie er erzählte, vorher war abgeschickt worden dem Rudel, das wir poltern gehört, den Weg abzuschneiden, glückte ihm dies so vollkommen, daß er, vom Wind und ihrem eigenen Steingerassel dabei begünstigt, dicht an sie hinankam. Im ersten unbedachten Schreck flohen sie auch, wie sie den Menschen gewahr wurden, soweit es ihnen der starre Fels erlaubte, grad' an der Wand hinauf. Dorten aber kamen sie bald zu einem gezwungenen Halt, während ihnen der jetzt aufspringende Martin den Rückweg abschnitt oder doch wenigstens verstellte. Ein paar Minuten blieben sie so – und das muß wundervoll ausgesehen haben – an der steilen Felswand, eine hinter der anderen kleben, bis der Jäger endlich, um sie dort herunter zu bringen, einen Schreckschuß abfeuerte. Aber jetzt kamen sie, und zwar so rasch daß Martin versicherte: »Jetzt mußt' ich aber gemach daß ich fortkam,« denn kollernde und springende Steine und Gemsen, Alles durcheinander, brachen und prasselten plötzlich zusammen und hintereinander her den schroffen Hang nieder. Im Nu waren sie aber auch im Nebel verschwunden und nur ihr Geklapper auf den lockeren Reißen verrieth die Richtung die sie genommen.

Die Nebeljagd.

In der Flucht.

14.
Die Nachsuche.