»Er war auch von Herzen gut,« sagte die Frau, »recht gut und brav, nur entsetzlich leichtsinnig, und wir Beide noch damals so jung; Gott nur weiß, wie schlimm es ihm auch vielleicht in der Welt ergangen ist.«

»Nicht schlimmer, wie er's verdient hat!« polterte Pfeffer heraus. »Aber wann war denn der Graf eigentlich bei Dir, Lise?«

»Ach, vor kaum einer halben Stunde,« rief Fräulein Bassini, »und denke Dir nur, ich war noch gar nicht angezogen; ich hatte den ganzen Morgen studirt und noch keine Toilette gemacht, saß am Clavier und phantasirte ein wenig – auf einmal geht die Thür auf und der Graf guckt herein. Ich dachte, der Schlag sollte mich auf der Stelle rühren.«

»Ein Wunder nur, daß er den Grafen nicht gerührt hat, wenn er Dich im Negligé gesehen!« lachte Pfeffer.

»Aber, Onkel!«

»Dein Negligé ist freilich schöner,« rief Fräulein Bassini, »mit dem Schlafrock, der kleben bleibt, wenn man ihn an die Wand wirft, und Deinem alten, ekelhaften Tabaksgestank! Aber um mich ärgern zu lassen, bin ich nicht hergekommen,« rief sie, von ihrem Stuhl aufstehend; »nur Augusten wollte ich die Nachricht bringen – »mit Dir habe ich weiter nichts zu thun!« – Und wirklich böse gemacht, schoß sie der Thür zu.

»Vergiß das nächste Mal die Schnupftabaksdose nicht!« rief ihr der Bruder nach, und Fräulein Bassini riß, verächtlich den Kopf zurückwerfend, die Thür auf, als sie plötzlich einen tiefen, ehrfurchtsvollen Knix nach außen machte und dann flüsternd, aber deutlich genug in das Zimmer zurückrief:

»Der Graf!«

10.
Graf Rottack bei Pfeffers.

»Und was nun,« sagte Felix, als sie mitsammen die Straße hinabschritten und Jeremias noch einen scheuen Blick hinter sich warf, als ob er fürchte, daß ihnen diese entsetzliche orangefarbene Dame folgen könne – »wollen wir zu Pfeffers?«