»Herr Graf,« stöhnte der kleine Mann, »ich bin nicht im Stande – ich gebe Ihnen mein Wort, ich habe in der Viertelstunde da oben bei dem schrecklichen Frauenzimmer, meiner Fräulein Schwägerin, mehr ausgestanden, als ob ich die ganze Zeit über auf einer Folterbank gesessen hätte!«
»Aber wußten Sie denn nichts von dieser Schwester?«
»Ich wußte, daß meine Frau eine Schwester hatte, habe sie aber nie gesehen, denn sie war damals schon lange beim Theater und irgendwo im Preußischen an einer kleinen Bühne engagirt, hatte sich auch nie mit ihrer jüngeren Schwester vertragen können.«
»Und der Bruder?«
»War Komiker an unserem Theater, entzweite sich aber ebenfalls mit meiner damaligen Frau, weil er gegen unsere Heirath gerathen, und hielt keinen Verkehr mit uns.«
»Sie müssen damals ein sauberer Zeisig gewesen sein, Jeremias?«
»Reden wir nicht davon,« sagte der kleine Mann mit einem aus tiefster Brust herausgeholten Seufzer; »aber es ist ja nun vorbei und ich brauche doch wenigstens nicht mit einer Schwägerin gestraft zu werden, wenn ich nicht einmal eine Frau habe.«
»Aber was wollen Sie jetzt thun? Jene Dame wird unfehlbar ohne weiteren Zeitverlust zu ihrer kranken Schwester laufen und sie alarmiren.«
»Die wär's im Stande.«
»Darauf können Sie sich fest verlassen,« sagte Felix, »und ich bin überzeugt, daß sie selbst in diesem Augenblick in aller Hast ihre Toilette macht. Was dann?«