»Ja,« schrie der Mann wieder – »haben Sie die Dame getroffen?«

»Allerdings, mein lieber Herr,« sagte Jeremias schüchtern, denn die Leute blieben schon stehen, weil sie glaubten, daß sich dort ein paar zankten, »aber ich muß Ihnen bemerken, daß ich gar nicht taub bin; ich höre vortrefflich, Sie brauchen deshalb nicht so laut zu reden.«

»Thu' ich auch nicht Ihretwegen,« schrie der Mann wieder, »sondern meinetwegen!«

»Ihretwegen?«

»Nein, meinetwegen!« brüllte der entsetzliche Mensch jetzt ordentlich – »ich bin der Souffleur beim hiesigen Theater!«

»Na, das nehmen Sie mir aber nicht übel,« sagte Jeremias – »wenn Sie da auch so schreien...«

»Das ist ja eben der Teufel,« rief der Mann wieder – »wenn man den ganzen Tag Probe und Abends Aufführung hat und nun in einem fort flüstern und zischeln muß, dann thut's Einem nachher um so wohler, wenn man einmal ordentlich schreien darf! Ich kriegte eine Gemüthskrankheit, wenn ich mich über Tag nicht manchmal ausschreien könnte!«

»So,« sagte Jeremias, »also deshalb?«

»Wo gehen Sie denn hin? – können vielleicht ein Glas Bier zusammen trinken.«

»Danke Ihnen sehr!« rief Jeremias, von der Idee erschreckt, seinen Nachmittag mit dem Schreier zuzubringen – »ich bin augenblicklich gerade beschäftigt.«