»So?« schrie der Mann wieder – »na, dann – leben Sie recht wohl!« und mit den Worten nickte er ihm zu und trat in das nächste Eckhaus, das auf einem Schilde draußen »Baierisch Bier« versprach.

11.
Am alten Wartthurm.

An dem Nachmittag war es recht still im Monford'schen Park. Graf und Gräfin hatten eine Einladung in die Stadt angenommen, der sich Paula durch vorgeschützte Kopfschmerzen entzog, und Georg ritt schon gleich nach dem Diner auf ein benachbartes Gut – angeblich um ein dort neugekauftes Pferd zu sehen, in Wirklichkeit aber, um die Mitwirkung des ihm befreundeten Gutsherrn zu der theatralischen Vorstellung am Verlobungsabend zu erbitten.

Die Verlobung war nämlich fest bestimmt worden. Paula hatte allerdings noch, selbst an dem Morgen, einen Versuch gemacht, die Eltern wenigstens um Aufschub eines so entscheidenden Schrittes zu bitten, aber umsonst. Die Mutter – heute finsterer und unnahbarer als je – hatte sie kurz abgewiesen, und der Vater sie einfach gefragt, welchen Grund sie für einen solchen Aufschub angeben könne, und sie dann nicht gewagt, Handor's Namen zu nennen. Wußte sie doch auch nur zu gut, mit welcher Entrüstung, mit welchem Zorn nur die Andeutung eines solchen Eidams von den stolzen Eltern zurückgewiesen worden wäre. Ließen ja doch Beide die Ansprüche des Herzens nicht gelten, wo die Ehre ihrer Familie, wie sie meinten, auf dem Spiele stand.

Nicht einmal ein Bürgerlicher hätte wagen dürfen, um die Hand der reichsten Grafentochter des Landes zu werben, viel weniger denn ein Schauspieler, die der Graf selber – so wenig er sich sonst auch dem Fortschritt der Zeit verschlossen zeigte – noch immer als eine untergeordnete Menschenklasse betrachtete, so daß es sogar damals Schwierigkeiten gehabt hatte, seine Erlaubniß zu erhalten, wirkliche Schauspieler zu den Proben ihres kleinen Liebhabertheaters heranzuziehen. An den betreffenden Abenden durften sie aber nie eingeladen werden.

Paula war recht unglücklich und erwartete unter Zittern und Bangen den Abend; wußte sie doch schon im Voraus, in welcher Verzweiflung ihr Rudolph sein würde – und was konnte sie ihm sagen, wie ihn trösten.

Draußen im Park schaffte und arbeitete der alte Gärtner Jonas, der als Knabe, ja, fast als Kind in den Dienst des Vaters der Gräfin gekommen und dann später mit ihr hierher übergesiedelt war. Er galt als eine Art von altem Inventar im Hause, und so stolz die Gräfin selber auch nur die geringste Unterhaltung mit ihren Dienstboten vermied, mit dem alten Jonas plauderte sie oft, wenn sie in den Park kam und ihn bei seiner Arbeit traf, fragte ihn, wie es ihm ginge und was er treibe, und gab ihm auch wohl manchmal ein Stück Geld, um sich eine Extragüte daran zu thun. Der alte Mann hing deshalb auch mit großer Liebe und Verehrung an ihr.

Jonas war heute beschäftigt, die aufgeblühten Blumentrauben von den verschiedenen Büschen und Rosensträuchen abzuschneiden und die Wege unmittelbar um das Schloß herum wieder auszurechen, denn die Aufsicht im Park selber hatte sein Untergebener, ein Gärtnerbursche. Wie er noch daran war, kam der Förster Mäder, die Flinte auf dem Rücken, die kurze Pfeife im Mund, mitten durch die Büsche heraufgestiegen und sah sich hier, ehe er den Alten bemerkte, überall in den Wegen selber aufmerksam um. Aber da war schon jede, sonst vielleicht mögliche Spur durch den Rechen des alten Mannes verwischt und ausgeglichen worden, und der Förster zerbiß einen Fluch über seiner Pfeifenspitze. Eben wollte er sich auch wenden und den Weg hinuntergehen, als er den Alten entdeckte, der mit seiner kurzen Leiter oben in einem Busche emsig beschäftigt war.

»Heh, Jonas,« redete er diesen an, »Ihr kriecht doch manchmal noch nach Dunkelwerden im Park herum, habt Ihr denn nie etwas bemerkt, daß sich hier noch Gesindel nach der Zeit in den Büschen aufhielt?«

»Guten Abend, Herr Förster!« nickte ihm der Alte zu; »ja, ein recht schöner Abend heute.«