Heute aber hatte er wieder einmal ganz unleugbare Beweise gefunden, daß ihm irgend Jemand mußte einen Besuch bei den Fasanen abgestattet haben; denn nicht allein daß er schon seit einiger Zeit bedenklich viel Federn in dem kleinen Dickicht gefunden, wo sie hauptsächlich Abends aufbäumten, nein, heute traf er sogar einen augenscheinlich kranken Isabellenhahn, der nicht mehr fort konnte und den ihm sein Hund apportirte, und als er ihn untersuchte, hatte er eine große Fischangel im Körper sitzen, an der noch ein abgerissenes Stück Bindfaden befestigt war.
Wenn er sich nun auch vergebens den Kopf zerbrach, wie um Gottes willen Jemand Fasanen mit der Angelruthe fangen könnte, so blieb es doch keinem Zweifel unterworfen, daß irgend ein nichtsnutziger Geselle hier die Hand im Spiel habe. – Und nun gerade einen Isabellenhahn, von denen der Graf nur drei Stück um theures Geld gekauft und die ihm selber auf die Seele gebunden waren, weil die Frau Gräfin sie so gern hatte! Aber was, um's Himmels willen, ließ sich bei der Sache thun?
Er suchte allerdings das ganze Gehölz auf das Sorgfältigste ab, ob er nicht irgend etwas finden könne, was ihm einen Anhalt geben mochte – denn daß der nichtswürdige Maulwurfsfänger dazwischen stecke, glaubte er sicher –, aber umsonst. War der es gewesen, so fing er die Sache auch überhaupt viel zu schlau an, um sich so leicht zu verrathen, und es blieb ihm nichts Anderes übrig, als von jetzt an seine Wachsamkeit zu verdoppeln und doch vielleicht einmal den Frevler auf frischer That zu ertappen. – »Aber nachher freu' Dich!« dachte er bei sich und ballte dazu in Gedanken die Faust nach der Wiese zu, auf welcher der Mann gewöhnlich wirthschaftete und wo er ihn auch noch vor kaum einer Stunde gesehen hatte.
Den Weg herüber vom Schlosse kam Paula, langsam und das liebe, sonst so fröhliche Antlitz in recht ernste, schmerzliche Falten gelegt. Sie betrat die kleine Terrasse, ohne den alten Gärtner, der noch immer da oben in seinem Busche steckte, nur zu sehen, und schritt auf die niedere Mauer zu, als dessen freundliches: »Gott grüße Sie, gnädige Comtesse!« sie ordentlich zusammenfahren machte.
»Ach, Jonas, wie habt Ihr mich erschreckt!« sagte sie lächelnd. »Was macht Ihr denn da oben?«
»Ja, ich bin gleich fertig, gnädige Comtesse,« sagte der Alte, freundlich sein Mützchen dabei rückend; »das Übrige mag bis morgen bleiben, denn ich muß auch noch die Blumenstöcke am Schlosse nachsehen und die abgeblühten fortnehmen.«
Dabei stieg er von seiner Leiter herunter und hob sich diese auf die Schulter, um nach vorn zu gehen; aber er blieb doch noch einmal neben der jungen Dame stehen, für die er all' die Zärtlichkeit empfand, welche nur ein alter Diener eines Hauses für ein Kind empfinden kann, das unter seinen Augen aufgewachsen ist.
»Und wie geht es sonst, Jonas?« fragte Paula freundlich.
»Ach ja, zu thun giebt's immer, gnädige Comtesse,« nickte ihr der alte Mann lächelnd zu; »in einem so großen Garten reißt's nicht ab das ganze Jahr lang Winter und Sommer.«
»Aber ich dächte, mit dem Gehör ging es recht schlecht, Jonas,« sagte Paula, indem sie sich dicht zu seinem Ohr bog und sehr laut sprach.