»Komm,« flüsterte er leise und zog die Erschreckte mit sich in das Dickicht hinein, »das Mondlicht ist hier viel zu hell; ein Verrätherauge könnte wachen.«

»Ich darf nicht so lange fortbleiben, wenn ich vermißt werde...«

»Komm nur jetzt; mir war, als ob ich etwas hörte.« Und er zog die nur halb Widerstrebende in den Schutz der Tujas, die ihnen Sicherheit und Deckung boten.

Handor hatte sich übrigens dieses Mal nicht geirrt, denn allerdings kreuzte gerade in diesem Augenblick ein Mann mit einem Gewehr auf dem Rücken den Kiesweg, der dicht unter dem Hügel wegführte. Es war der Förster, der schon seit Dunkelwerden im Park herumkroch und, nachdem er all' die entlegenen Stellen desselben vorsichtig abgesucht, um seinem Fasanendiebe auf die Spur zu kommen, jetzt auch dicht am Schlosse die Hölzer abspüren wollte: denn nirgend anders hatte er etwas Verdächtiges gefunden, während der heutige Abend wie gemacht zu einem derartigen Wilddiebstahl war.

Ein Fasanendieb konnte nämlich im Dunkeln gar nichts ausrichten, und selbst bei Mondschein war, wenn er nicht recht hell, wie gerade heut Abend, schien, die Sache schwierig, da die belaubten Bäume noch zu viel Schatten warfen. Daß aber trotzdem ein schlauer Dieb den Versuch, und zwar nicht erfolglos, gemacht, davon hatte er ja selber die Beweise im Holze – eine Anzahl von Federn und den kranken, mit einem Fischhaken gerissenen Fasanenhahn – gefunden, und der Gesell, welcher da einmal glücklich durchgekommen, würde diesen Abend kaum versäumt haben, um sein Diebeshandwerk fortzusetzen.

Gerade jetzt kreuzte er deshalb, im Schatten der Baumgruppen über die Wiese kommend, den Kiesweg. Es war ihm fast, als ob er ein Geräusch gehört hätte, und er zog sich nun unter dem Wartthurmhügel hin dem Gebüsche zu, wo ebenfalls jede Nacht einige zwanzig Fasanen besonders in einer kleinen Birkenlichtung aufbäumten und dort allerdings einiger Gefahr ausgesetzt waren.

Aber nichts wurde laut; wohl eine halbe Stunde stand er regungslos auf seinem Posten. Da plötzlich – ordentlich erschreckt zuckte er empor – hörte er das krampfhafte Flattern eines Fasans, das nämliche, was Handor schon zweimal vorher erschreckt hatte, ohne daß dieser freilich wußte, was es bedeute. Der alte Förster kannte den Laut aber viel zu gut, um auch nur einen Moment darüber in Zweifel zu sein.

Fast unwillkürlich fuhr er mit dem Gewehr in die Höhe; aber er wußte auch recht gut, daß ihm das für den Augenblick nichts helfen konnte. Noch einmal horchte er – der Vogel flatterte noch – jetzt wußte er genau die Richtung, und eine kurze Strecke auf dem Rasen hinspringend, wo sein Schritt geräuschlos verhallte, tauchte er gleich darauf in das die Anlage umgebende und nicht sehr dichte Buschwerk, genau der Richtung zu, wo die Birken standen. – –

Der alte Maulwurfsfänger hatte indessen kaum das Dickicht erreicht, als er auch den Hang, wo er jeden Fuß breit des Terrains kannte, vorsichtig hinunterschlich und der Stelle zuhielt, an der, wie er recht gut wußte, die Fasanen Nachts aufbäumten. Trotzdem trug er keine Waffe, mit der man hätte glauben sollen, daß er ihnen gefährlich werden konnte – nichts, als seinen alten Eichenstock. Überdies wußte er ja auch recht gut, daß er in solcher Nähe vom Schloß keinen Schuß wagen durfte, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, unmittelbar darauf von den Schloßleuten umstellt und gefangen zu werden.

Der alte Bursche wußte aber besseren Bescheid und war, allem Anschein nach, nicht zum ersten Mal auf einem solchen Fang.