Mit der größten Umsicht und Ruhe schlich er langsam vorwärts, bis er den lichteren Platz jenes kleinen Birkenwäldchens, etwas dürrer Boden mit Haidegrund, der weiter nichts Anderes hervorbrachte, erreichte, und hier spionirte er dann so lange herum und suchte die Mondesscheibe hinter die Bäume zu bekommen, bis er den Platz erreichte, wo die Fasanen standen. Aber auch das half ihm anfangs nichts, denn die ersten, welche er traf, waren zu hoch aufgebäumt, als daß er sie hätte erreichen können. Doch nicht alle schienen so vorsichtig gewesen zu sein. Nicht lange, so traf er einen dick aufgeblusterten Hahn, der, den Kopf unter die Flügel gesteckt, fest auf seinem Aste schlief und nicht einmal sein Nahen bemerkt haben konnte.

Der alte Maulwurfsfänger störte ihn auch nicht; leise kroch er zehn oder zwanzig Schritt zurück, bis unter einen dunkeln Busch, und begann hier seine Vorbereitungen.

Erst schraubte er seine Stockzwinge ab und steckte diese, damit sie ihm nicht verloren ginge, in die Westentasche; dann zog er die Angelruthe heraus und befestigte oben an der Spitze derselben einen mächtigen Angelhaken, wie sie bei den kleinen Fischen des innern Landes nie gebraucht werden. Diesen Haken band er so an die Ruthe, daß die Spitze mit dem Widerhaken nach unten zeigte, und als er dieselbe fest und sicher angeschnürt, daß sie ihm nicht wieder abriß, wie neulich einmal mit einem feisten, prächtigen Hahn, hob er sich langsam empor und glitt völlig geräuschlos zu dem Stamm des Baumes, auf dem seine Beute stand.

Ein ungeübtes Auge würde aber in dem belaubten Baum kaum im Stande gewesen sein, den Platz genau zu bestimmen, wo sich das Wild befand; der alte Bursche wußte das besser, und nachdem er nur ein paar Mal mit dem Kopf unter dem Baume hin und her gefahren, hielt er plötzlich still, brachte seine Ruthe vorsichtig in die Höhe und ließ die Angel langsam und geräuschlos an dem Stamm selber hinaufgleiten.

Der Fasan schlief fest; alle Bewegungen waren auch so vollständig geschickt ausgeführt, daß er kaum etwas davon merken konnte, da die Gestalt des Mannes unter dem Baume mit dem gleichfarbigen Untergrund zu einer ununterscheidbaren Masse zusammenschmolz. Jetzt aber hatte der Haken, ohne daß der Maulwurfsfänger von unten das Hinderniß bemerken konnte, gegen einen kleinen, trockenen Zweig gestoßen, und rasch und erschreckt richtete sich der Hahn mit einem leise gluckenden Laut empor.

Der Alte unter dem Baum rührte sich nicht. Wie an den Stamm gewachsen stand er da; nur seine rechte Hand dirigirte vorsichtig den Haken um das Hinderniß herum. Unten am Stocke hatte er sich dabei vorsichtiger Weise ein Zeichen gemacht, nach welcher Seite hin die Biegung des Hakens selber saß; jetzt mußte er damit über dem Hahn sein, und mit einem plötzlichen Ruck riß er den Stock zurück und den unglücklichen Fasan damit von seinem sicher geglaubten Stand herunter.

Dieser schlug allerdings aus Leibeskräften mit den Flügeln, aber nicht lange. Im Nu hatte ihn der Wilddieb gefaßt und ihm auch eben so rasch den Hals abgedreht, wonach er ihn in seine jetzt völlig leere Jagdtasche steckte und sich erst vorsichtiger Weise, ehe er auf neue Beute ausging, unter den nächsten Busch drückte, um abzuwarten, ob das nun einmal nicht zu vermeidende Geräusch nicht doch am Ende unberufene Zeugen herbeigelockt hätte.

Aber nichts ließ sich hören; der Wald war so still, wie je, und nur hier und da in den Bäumen regten sich die benachbarten Fasanen, die durch den Todeskampf des Kameraden munter geworden waren und von da und dort ein leises Glucksen hören ließen.

Jetzt glitt er wieder wie ein Schatten vor. Die schlanke Gestalt des Mannes kroch gebückt und schleichend über das durch den Nachtthau feucht gewordene Laub dahin, bis er unter den rege gewordenen Vögeln eine neue Beute ersehen hatte.

Was schadete es auch, daß sie munter geworden waren! Der Fasan streicht nach Dunkelwerden nur mit großem Widerwillen von seinem einmal eingenommenen Stande ab, weil er recht gut weiß, wie schwer es ihm wird, bei Nacht einen andern Platz zu finden, und sobald der Wilddieb nur die Vorsicht beobachtete, seinen Stock langsam und von dem Stamm wo möglich gedeckt in die Höhe zu bringen, hatte es mit dem Fange keine Schwierigkeit.