Auch den zweiten hatte er sich so gesichert, und wie er ihn herunterbrachte, entdeckte er dicht daneben auf einem ganz niedern Ast einen dritten.

Trotzdem wartete der Maulwurfsfänger wieder eine ganze Weile im Dickicht seine Zeit ab, ehe er sich auf's Neue in das lichtere Holz hineinwagte; wußte er doch recht gut, daß ihn der alte Förster schon lange in Verdacht hatte, und daß der eben so gut die Zeit kannte, in welcher er seinem Fang nachzugehen pflegte.

Eigentlich hatte er sich vorgenommen gehabt, an dem Abend mit zwei Hähnen zufrieden zu sein; der dritte Hahn saß aber zu verlockend da, fast auf dem untersten Ast der Birke, er hätte ihn beinahe mit der Hand erreichen können; so günstige Gelegenheit fand er nicht wieder, und wenn er einen Monat danach gegangen wäre. Nach einer guten Weile erhob er sich deshalb wieder und kroch langsam gegen den Baum vor; der alberne Vogel hatte den Kopf wieder eingesteckt, und bis dicht unter ihn kam er, ehe er durch das doch nicht zu vermeidende Geräusch geweckt wurde und rasch emporfuhr – aber das half ihm nichts mehr. Der verhängnißvolle Haken saß ihm dicht über dem Kragen, der Wilddieb zog an, und der gefangene Fasan stürzte von seinem Ast herunter.

So tief aber hatte er gesessen, daß der untere Theil des Stockes, als ihn der Maulwurfsfänger zurückriß, gegen den Boden stieß und der Fasan dadurch von dem Haken loskam. Ehe er aber die Flügel ordentlich gebrauchen konnte, war der Wilddieb schon mit einem Satz auf ihm, faßte ihn am Halse, drehte ihm den Kopf herum und schob ihn dann schnell in den alten Ranzen zu den übrigen. – Aber erschreckt fuhr er empor – das waren rasch springende Schritte im Laub. Noch einmal horchte er. War es vielleicht ein aufgescheuchtes Stück Damwild, das sich hier in der Nachbarschaft niedergethan und nun den Platz floh? Nein, die Schritte gehörten keinem Stück Wild, und seinen Stock aufgreifend, floh der Dieb, so rasch er konnte, dem schützenden Dickicht zu.

»Halt, Schuft! Canaille – hab' ich Dich – steh' oder ich schieße!« schrie eine Stimme, die der Maulwurfsfänger nur zu gut kannte, denn es war die seines alten Freundes, des Försters. Wenn dieser aber geglaubt hatte, ihn damit wirklich zum Stehen zu bringen, so irrte er sich, denn der alte schlaue Gesell dachte an nichts weniger. Befand er sich doch auch unmittelbar vor dem Dickicht, das ihm seinen Rückzug vollständig decken konnte! Unter dem Schatten der Bäume war überhaupt kein sicherer Schuß möglich, und ohne deshalb auch nur einen Moment zu versäumen, floh er auf den nächsten dicken Busch zu und sprang dort gerade hinein, als der alte Jäger sein Gewehr an die Backe riß.

Freilich wußte dieser, daß er einen Menschen eines solchen Vergehens halber nicht gleich todtschießen durfte, und zielte deshalb tief, um ihn in die Beine zu treffen; aber das Korn seiner Flinte konnte er überdies nicht sehen, ja, die ganze Gestalt des Flüchtigen glitt nur wie ein Schatten über den dunkeln Boden, und ehe er zum Abdrücken kommen konnte, war der Verbrecher in dem Busch verschwunden.

Aber darum war er noch nicht entwischt, denn gerade dorthin, wohin er floh, schloß die nach unten ziemlich hoch abfallende Mauer den Park ein. Dort hinüber konnte er nicht, des Försters Meinung nach; dann aber blieb ihm kein anderer Weg, als dicht unter dem kleinen Wartthurmhügel, unmittelbar am Schloß vorbei, und wenn er dort die Leute alarmirte, gelang es vielleicht doch noch, ihn zu erwischen.

Mit dem Gedanken feuerte er sein Gewehr in die Luft ab, schrie: »Halt ihn, halt ihn auf! Dieb! Dieb!« und lief dann, so rasch ihn seine Füße trugen, etwas mehr links zurück, wo er das größte Dickicht umging und dem Flüchtigen, sobald er auf offenes Terrain hinauskam, den Weg abschneiden konnte. Ließ er sich aber davon zurückschrecken und blieb im Dickicht, so nahm er all' die Bedienten und Leute im Schloß zusammen, umstellte mit ihnen das Dickicht und hatte ihn nachher sicher.

Der Schuß und das Schreien war allerdings im Schloß gehört worden, hatte aber auch noch andere Leute alarmirt.

»Rudolph, um aller Heiligen willen, wir sind verrathen!« flüsterte Paula, indem sie sich aus des Geliebten Armen wand. »Oh, Du mein großer Gott!«