»Doch, Auguste, doch!« rief Jeremias, indem er noch einmal seine Augen abwischte und sich dann im Zimmer umsah – »ich seh' es an Allem – kümmerlich habt Ihr Euch bis jetzt behelfen müssen – und der Tisch da drüben? Wovon hat denn das Kind da so blasse Wangen und so rothe Ränder um die Augen?«

»Vom Weinen, Vater – vor lauter Freudenthränen, daß wir Dich wieder haben!«

»Und ich glaub's doch nicht – Graf Rottack hat mir's schon erzählt, und wenn ich mir auch nichts merken ließ, wollt' es mir doch fast das Herz abdrücken!«

»Es ist nicht so schlimm,« lächelte Henriette, »arbeiten muß ein Jeder, und ich möchte gar nicht ohne Arbeit leben.«

»Gott lohn' es Dir, was Du an Deiner Mutter gethan hast, Kind – und er wird's auch, er wird's auch – hab' jetzt guten Muth, und wenn Euch der junge Jeremias auch davongelaufen ist, so hat er Euch doch jetzt den alten hergeschickt, daß der die Geschichte wieder in Ordnung bringt. – Aber jetzt müssen wir auch die übrige Familie herbeiholen. Wo steckt denn der Schwager?«

»Onkel hatte um zehn Uhr Probe, Vater, und ging kurz vorher weg, ehe Du kamst.«

»Ob ich es mir nicht beinahe gedacht habe,« nickte Jeremias vor sich hin – »darum guckte er mich so an! Den hätt' ich aber nicht wiedergekannt...«

»Hast Du ihn gesehen, Jeremias?«

»Ich glaube ja, unten am Hause – und wann kehrt er zurück?«

»Er kann nicht lange bleiben; es ist nur Probe von einem einactigen Lustspiele. Er wird bald wiederkommen.«