»Das ist gerade das Schlimmste!« rief Pfeffer – »wenn sie viel davon erzählte, wär's nicht so arg; aber so hockt sie Tag und Nacht an dem verdammten Blumentisch und grübelt und denkt und seufzt, und nachher frißt sich so eine Geschichte noch viel tiefer in's Herz hinein. – Deshalb hat sich die Lise nie ordentlich verliebt, weil sie's gleich allen Menschen erzählen mußte.«
»Und ließe sich nicht doch vielleicht etwas Anderes für ihn finden,« sagte Jeremias, »womit er sein Brod ehrlich verdienen könnte? Was ich dabei thun kann...«
»Ja wohl, der auch,« schüttelte Pfeffer mit dem Kopf; »er hat ja studirt und, ich glaube sogar, sein Examen gemacht – aber Gott bewahre, Komödie müssen wir spielen, »die Kunst hat ihn gerufen«, und eher richtet er sich und Jettchen zu Grunde, ehe er davon abgeht!«
»Und was war heute wieder mit ihm?« fragte die Frau.
»Ach, die ewigen Häkeleien mit dem eitlen Laffen, dem Handor!« rief ihr Bruder – »der Mensch kann ihn nicht leiden und chicanirt ihn, wo sich Gelegenheit bietet; da hat denn unser sauberer Director – ein Lump, wie er im Buche steht – weil er den Handor nicht entbehren kann, dem Rebe gekündigt.«
»Du lieber Gott,« seufzte die Frau – »das arme Jettchen!«
»Aber vielleicht ist das ein Glück,« sagte Jeremias, »und bringt ihn möglicher Weise dazu, wozu mir ihn haben wollen, daß er ganz vom Theater abgeht. Wenn ich nur einmal mit ihm sprechen könnte!«
»Der nicht, der wahrhaftig nicht!« rief Pfeffer – »dem hat's der Souffleurkasten angethan, und der ruht nicht eher, bis sie ihn einmal erst mit faulen Äpfeln und anderen Vegetabilien von den Brettern hinuntergepfiffen haben. Dann kommt er in das Stadium, wo er über die Undankbarkeit des Publikums und den schlechten Geschmack unseres jetzigen Zeitalters schimpft, und nachher wär's vielleicht möglich, ihn zur Vernunft zu bringen – früher nicht.«
Die Frau seufzte recht tief auf, und Jeremias, der kein Auge von ihr wandte, sagte herzlich:
»Na, laß nur sein, Auguste, vielleicht wird ja noch Alles gut; ich bin ja jetzt da, und Du sollst sehen, ich halte Dir, was ich versprochen habe.«