»Bah, da behelfen wir uns – nicht wahr, Jeremias?«

»Du lieber Gott,« sagte dieser, »mir ist heute gar nicht wie essen! Ich bin so froh, so glücklich, ich könnte auf Einem Beine tanzen...«

»Müßte famos aussehen,« lachte Pfeffer – »und jetzt Platz da, daß das Mädel den Tisch decken kann – heute wollen wir einmal en famille speisen!«

13.
Verschiedene Kunstinteressen.

Graf Rottack war an diesem Morgen in der Stadt gewesen, um noch einige Einkäufe zu machen. Als er zurückkehrte, fand er Helene allein in ihrer Stube, den Kopf in die Hand gestützt und eine helle Thräne im Auge, während die Kinder um sie her lustig und guter Dinge am Boden spielten.

»Und wieder so traurig, Herz?« sagte er, indem er auf sie zuging, sie leise umfaßte und ihre Stirn küßte; »kann ich denn gar kein Lächeln mehr auf Deine Wangen rufen?«

»Ach, Felix,« seufzte die junge Frau, indem sie ihr Haupt an ihn lehnte, »sei nur nicht böse, ich weiß, daß ich Unrecht thue, Dir Unrecht thue vor allen Anderen, denn kein Wesen in der Welt hätte mehr Ursache, sich glücklich zu fühlen, als ich; aber – der gestrige Morgen will mir noch immer nicht aus dem Kopf. Sie wußte, daß ich ihr Kind war, sie mußte es wissen, da Du ihr den Namen jener Frau genannt, und doch, wie kalt, wie stolz blieb sie gegen mich, wie verrieth kein Zug in ihrem Antlitz, daß ihr Herz nur den tausendsten Theil jener Sehnsucht fühlte, in meine Arme zu fliegen, wie sie mich fast verzehrt und aufreibt!«

»Sie mußte sich Gewalt anthun, Herz,« beruhigte sie Felix; »wer von uns weiß denn, was sie dabei gelitten?«

Helene schüttelte leise und traurig mit dem Kopf. »Jene eisernen Züge,« flüsterte sie, »sahen nicht aus, als ob je ihr Herz irgend eine Pein darauf hervorgerufen; sie war kalt wie Eis, und ihr Blick haftete neugierig, aber wahrlich nicht liebend auf mir.«

»Und doch hast Du Dich vielleicht geirrt, Helene!« rief Felix; »mußte nicht zuerst bei Deinem Anblick auch das Eine erste Gefühl die Oberhand gewinnen: die Angst, ihr Geheimniß verrathen zu sehen? Laß sie einmal mit Dir allein sein, laß sie Dich selber sprechen und Dir dabei in die lieben, treuen Augen sehen, und ihr Mutterherz wird schmelzen; sie wird das Kind in ihre Arme drücken!«