»Seien Sie uns herzlich willkommen!« sagte Rottack freundlich, der sich schon lange zu dem offenen, ehrlichen Gesicht des jungen Mannes hingezogen gefühlt hatte; »bitte, legen Sie ab und setzen wir uns – keine Förmlichkeiten weiter – wir freuen uns aufrichtig, Sie bei uns zu sehen!«
»Und selbst, wenn ich gleich mit einer Bitte käme?«
»Vielleicht noch viel mehr, wenn Sie uns gleich Gelegenheit geben, Ihnen gefällig zu sein,« lächelte Rottack.
»Ich halte Sie beim Wort,« lachte George; »so will ich denn, wie man so sagt, gleich mit der Thür in's Haus fallen, damit ich Sie nicht zu lange von Ihren Instrumenten entfernt halte, denn dann ersuche ich Sie dringend, fortzufahren.«
»Und womit können wir Ihnen dienen?«
»Es ist ein Scherz. In acht Tagen soll die Verlobung meiner Schwester Paula gefeiert werden, und zwar mit dem jungen Grafen Bolten, und da Paula so außerordentlich für's Theater schwärmt und sich besonders auf unseren Liebhabertheatern selber ausgezeichnet hat, so habe ich mir für den Abend eine kleine Überraschung ausgedacht. Wir wollen nämlich unter uns ein kleines, allerliebstes Lustspiel aufführen, das ich heute Morgen zugeschickt bekommen habe. Unglücklicher Weise kommen aber mehr Personen darin vor, als ich an »Künstlern« stellen kann, und da hat mir – da die Zeit überdies drängt – die Verzweiflung den kühnen Entschluß eingegeben, Sie und Ihre liebenswürdige Frau Gemahlin um Hülfe und Beistand anzuflehen.«
»Das ist allerdings sehr liebenswürdig von Ihnen, mein bester Graf,« lächelte Rottack, während Helene leicht erbleichte; »aber erstlich gerathen wir da auf ein Feld, das wir Beide wohl noch nie betreten haben – nicht wahr, Helene?«
»Noch nie,« hauchte leise die junge Frau.
»Und dann ist die Zeit zu einer solchen Vorbereitung doch auch wohl ein wenig sehr kurz. Haben Sie das Stück bei sich?«
»Nein, da wir nur Ein Exemplar besitzen, läuft mein Commissionär eben damit in der Stadt herum und läßt die wenigen Bogen in drei verschiedenen Druckereien zu gleicher Zeit setzen. Aber bis spätestens morgen in aller Frühe haben wir genügende Exemplare und bis zehn Uhr ist es längstens in Ihren Händen. Ihre Rollen sind klein, das Lernen wird Ihnen keine Schwierigkeit machen. Meine gute Mutter will selber so freundlich sein, die Leitung der Leseprobe zu übernehmen. Haben Sie Mitleid mit einem armen, unglückseligen Theaterunternehmer!«