»Geistige Arbeiten, lieber Freund, sind keine Holzhackerarbeit; die Fäuste können immer schaffen, aber der Kopf braucht seinen Genius, und wenn der ausbleibt, steckt er fest.«

»Und wann können wir Abrechnung halten?«

»Ich erwarte eine bedeutende Honorarzahlung in den nächsten Tagen.«

»Schön, also auf Wiedersehen, Doctor!«

»Auf Wiedersehen, lieber Handor, auf Wiedersehen!«

Handor hatte die Thür hinter sich zugedrückt, und Feodor sah ihm, freundlich mit der Hand winkend, nach; dann aber murmelte er leise vor sich hin:

»Einfaltspinsel, eingebildeter – will in allen Blättern gelobt und herausgestrichen sein und dann auch noch geborgtes Geld wieder haben – es ist wirklich großartig! Wer hält ihn denn hier am Theater? Niemand weiter als ich, und wenn ich ihn fallen lasse, ist er in vierzehn Tagen fertig; keine Hand rührt sich mehr – ich müßte meine Haßburger nicht kennen. – Komm Du mir!« Und die unangenehmen Gedanken abschüttelnd, drehte er sich wieder auf seinem Stuhl herum, griff die Feder auf und begann von Neuem sein commerzienräthliches Ehrengedicht, das aber trotz alledem nicht recht fließen wollte – der Genius war noch nicht da.

14.
Horatius Rebe.

Oben in der Schloßgasse, dem »Paradies« schräg gegenüber, in einem sehr großen, massiv gebauten Hause, aber oben in der vierten Etage und in einem sehr bescheidenen, wie sehr beschränkten Dachstübchen, wohnte Horatius Rebe, »der zweite oder eigentlich vierte oder fünfte Liebhaber« am Haßburger Theater – und eine bescheidenere Wohnung ließ sich in der That kaum denken.

Das Ameublement bestand aus einem Holztisch, der Morgens als Waschtisch, über Tag als Arbeitstisch diente, aus einem mit sehr verblichenem und auch schon oft ausgebessertem Kattun überzogenen Sopha, das mit Eisenfeilspänen gestopft sein mußte, so hart war es, und zwei ordinären Rohrstühlen. Dazu gehörte noch ein kleiner, sehr dürftiger Spiegel und eine lackirte Commode, wie ein glatt gehobeltes Bücherbrett, und dennoch war der kleine Raum so nett und sauber als möglich hergerichtet.