»Das geht nun nicht mehr, mein Kind,« sagte die Gräfin ruhig, »es ist Alles bestimmt angeordnet und zu viel Leute wissen auch schon darum; es würde nachher nur ein ganz unnützes, unangenehmes Gerede geben. Aber da ist der Wagen, begleitest Du Paula?«

»Ja, Mama, aber wie kommst Du selber hinein?«

»Ich lasse mir die Droschke anspannen; sei nur pünktlich bei Rottacks, denn ich – möchte dort nicht gern lange warten.«

»Pünktlich, gewiß,« rief George; »Rottacks sind übrigens prächtige Leute und gefallen mir außerordentlich – auch nicht die Spur von Zwang oder Zurückhaltung, und die Gräfin ist so natürlich und herzlich, wie er selber. Was ist sie nur für eine Geborene – hast Du nicht gehört? Ich bin an verschiedenen Orten danach gefragt worden.«

»Ich weiß es nicht,« erwiderte seine Mutter, indem sie sich von ihm abwandte und zum Fenster schritt – »auf der Karte steht ihr Name nicht.«

»Die böse Welt behauptet natürlich schon wieder,« fuhr George fort, »daß es eine Mesalliance sei; aber das glaub' ich auf keinen Fall, denn die Gräfin hat etwas so vornehm Edles in ihrem ganzen Wesen, was sie sich im Leben nie angeeignet haben kann; das muß ihr angeboren sein. Doch das bleibt sich gleich; ich meinestheils bin herzlich froh, daß wir die Leutchen nach Haßburg bekommen haben, denn für den Winter besonders sind sie eine ganz kostbare Acquisition, und Du solltest sie einmal musiciren hören!«

»Da kommt Paula; wirst Du sie wieder abholen?«

»Versteht sich; ich habe schon Alles mit ihr besprochen. Adieu, liebe Mutter, auf Wiedersehen bei Rottacks!« –

In Graf Rottack's kleiner, aber reizender Villa war der Salon für die erwartete Gesellschaft auf das Freundlichste hergerichtet und Alles für die erste abzuhaltende Leseprobe vorbereitet worden. Felix selber hatte es arrangirt und kehrte jetzt in Helenens Zimmer zurück, in dem die Kinder auf der Erde spielten.

Helene saß in einem Fauteuil vor ihrem Nähtisch, aber sie arbeitete nicht; den Kopf in die Hand gestützt, sah sie träumend vor sich nieder und hörte nicht einmal, daß der kleine Günther sie schon dreimal gefragt hatte, wo der Papa wäre.