»Das gebe Gott, Felix,« sagte Helene leise, »denn wenn sie es thäte, würde es mich recht, recht sehr unglücklich machen!«
»Sie thut es nicht, Herz – aber wahrhaftig, da kommen schon die ersten unserer Gäste!«
»Papa,« rief der kleine Günther, der das Herumtanzen auf dem Teppich satt bekommen hatte, »spiel' ein bischen mit mir.«
»Ja, jetzt hätt' ich Zeit, Du Schlingel,« lachte sein Vater – »spiele mit Dir, nicht wahr? Hinüber zu Eurer Bonne! Bitte, Helene, laß die Kinder hinüber bringen – und daß Ihr mir artig seid, das rathe ich Euch, sonst dürft Ihr heute Abend nicht mit uns essen!« – Und sich von dem kleinen Burschen, der sich an ihn anhängen wollte, losmachend, eilte er in das Empfangszimmer, um die eben eingetroffenen Herrschaften zu begrüßen.
Gleich danach fuhr George mit der Gräfin Monford vor, und Helene war jetzt selber so in Anspruch genommen, daß sie sich schon gewaltsam fassen mußte, um keine Störung zu verursachen.
Und die Gräfin selber erleichterte ihr das sehr, denn viel freundlicher war sie heute, als noch je; sie reichte Helenen die Hand, was sie bis jetzt noch nicht gethan, und sagte, wie sie bedaure, sie auf solche Art in ihrer Häuslichkeit zu stören und ihre Hülfe gleich, kaum nach der ersten Bekanntschaft, in Anspruch zu nehmen; ihr George habe aber einmal an die Sache sein Herz gesetzt, und der sei von einer Zähigkeit, die einmal Erfaßtes nie im Leben wieder loslasse, und wenn er deshalb alle seine Mitmenschen bis zum Tode quälen sollte.
George war aber ihr Liebling, und sie sagte das mit einem so zufriedenen Blick auf den eben Angeklagten, daß man recht gut sehen konnte, wie wohl es ihr selber thue, das einmal Begonnene mit Erfolg gekrönt zu sehen.
Helene war bei der freundlichen Anrede feuerroth geworden, während die Gräfin ihr ganz unbefangen gegenüber stand; Felix aber, der, während er mit George sprach, seine Frau nicht aus den Augen gelassen hatte, kam ihr rasch zu Hülfe und übernahm selber die Erwiderung, indem er der Gräfin nochmals versicherte, wie sehr es sie freue, etwas mit zu dem glücklichen Tag, der Verlobung der liebenswürdigen Comtesse, beitragen zu können, und ihre einzige Furcht jetzt sei nur die, daß sie, zum ersten Mal etwas Derartiges unternehmend, am Ende ihrer Verpflichtung nicht ordentlich würden genügen können. Gräfin Monford möge deshalb auch seiner Frau die Befangenheit zu Gute halten, die sich aber jedenfalls nach der ersten Scenenprobe geben werde.
Das Gespräch wurde jetzt allgemein, und während die Diener Kaffee, Limonade, Wein und Backwerk herumtrugen, sammelten sich die verschiedenen Gäste, da noch nicht alle beisammen waren, in kleinen Gruppen, bis endlich der Wagen mit den letzten Säumigen vorfuhr und George jetzt darauf drang, »an die Arbeit« zu gehen.
Die Leseprobe verlief, wie alle derartigen Dinge, ziemlich glatt und ohne besondere Störung. Durch George's Eifer, die Sache zu fördern, waren mehr als hinreichende Exemplare gedruckt, um jedem Mitwirkenden ein Heft zu sichern, so daß die verschiedenen Herrschaften schon Zeit genug gehabt hatten, das ganze Stück für sich durchzulesen und sich die Stellen, an denen sie selber einfallen mußten, mit Rothstift anzustreichen.