»Reite voran, Hubert – ich habe mit dem Herrn dort etwas zu sprechen.«

»Mit dem?« sagte Hubert verwundert – »das ist ja der Schauspieler...«

»Ja – Handor – ich komme gleich nach. – Hier, Karl, nimm mein Pferd, laß ihm aber den Zügel etwas weit; es geht ganz ruhig nebenher, und halte Dich nirgends mehr auf. Du reitest gerade nach Hause.«

»Sehr wohl, Herr Graf.«

Der Reitknecht griff den Zügel des Thieres auf und George, der indessen abgestiegen war, schritt auf den ihn erwartenden Handor zu, dem er die Hand reichte und mit ihm langsam die Straße hinaufging.

Hubert, der sich nicht denken konnte, was Graf Monford mit dem Schauspieler zu verkehren habe, schüttelte den Kopf, trabte aber dann bis zu dem Thorweg des Hauses, mit dessen Insassen er ebenfalls bekannt war, um dort wenigstens Paula begrüßen zu können und George's Rückkehr zu erwarten. – –

Die kleine Zwischenscene mit dem übermüthigen jungen Grafen und dem Töpferjungen hatte sich gerade vor Pfeffer's Fenster abgespielt.

Seine Schwester war kränker geworden – möglich, daß die neuliche Aufregung mit dazu beigetragen hatte, aber der Arzt, welcher jetzt täglich und manchmal zweimal am Tage kam, hatte angeordnet, daß ihr Bett in die luftigere Stube geschafft werden und sie dasselbe nicht verlassen sollte. Auch verbot er jedes Rauchen im Zimmer; der scharfe Dampf that der Brust der Kranken weh.

Jeremias wich fast nicht von ihrem Bett, und wenn er ausging, brachte er gewiß irgend etwas mit, von dem er glaubte, daß es ihren Zustand erleichtern oder ihr angenehm sein könne – und wie Vieles gab es da, denn die bisherige Einrichtung der Familie war ja nur auf das Nothdürftigste beschränkt worden und hatte selten oder nie auf eine selbst einfache Bequemlichkeit ausgedehnt werden können!

Und Jettchen sah fast noch kränker aus, als ihre Mutter, denn der Vater hatte ihr seine Unterredung mit Rebe erzählt, und wenn sie ihm auch Recht geben mußte, wenn sie auch fühlte, daß er gehandelt habe, wie er als ehrlicher und selbstständiger Mann handeln sollte, so konnte sie sich doch auch der Überzeugung nicht verschließen, daß damit ihre letzte Hoffnung zerknickt und der Geliebte für sie verloren sei. – Und die Mutter fühlte das mit ihr, und deshalb besonders war ihr Geist so niedergedrückt, der Körper so jeder Lebensthätigkeit beraubt worden, weil die Sorge um das liebe Kind ihr Herz und Sinn erfüllte.