Pfeffer selbst war in einer ganz verzweifelten Stimmung. Die Angst um die Schwester, deren Zustand er vielleicht noch für viel bedenklicher hielt, als er wirklich war, litt ihn nicht in seinem Zimmer, und drüben durfte er nicht rauchen – Haß und Ingrimm erfüllten ihn dabei gegen seinen Director und die Ursache alles dieses Unheil, den »aufgeblasenen Handor«, wie er ihn nannte, ohne daß er irgend ein Mittel wußte, einem von ihnen beizukommen.

Hundertmal im Tage, nachdem er im Krankenzimmer auf und ab gelaufen war und die Kranke ordentlich nervös gemacht hatte, schoß er in seine Stube hinüber, griff eine Pfeife auf, ging damit zum Tabakskasten, fand dort, daß sie schon gestopft sei, und stellte sie unwillig wieder bei Seite. Nachher fing er an seine Dose zu suchen, die er aber in der ewigen Unruhe nie finden konnte und dadurch nur immer irritirter wurde.

Und dabei mußte er Komödie spielen, erst den Schuster in Lumpaci Vagabundus und dann, zwei Abende später, den Grafen in Aschenbrödel – und daheim den Familienjammer; denn wenn er es sich auch nicht merken ließ, ging ihm Jettchen's Herzenskummer fast eben so nahe, wie der Schwester Krankheit. Es war rein zum Tollwerden, und Pfeffer, der überhaupt nicht zu den geduldigsten Naturen gehörte, hätte heute Brunnen vergiften können.

Jetzt stand er wieder am Fenster und sah, wie die Reiter die Allee herabgesprengt kamen, wie das Pferd des einen scheu wurde und dieser den armen Teufel von Schiebkärrner mißhandelte. Und wie fing er da oben am Fenster jetzt an zu schimpfen, und zwar laut hinaus und mit der geballten Faust nach der Allee hinüber drohend, daß Jeremias gar nicht wußte, was er hatte, und zu ihm trat.

»Nun seh' Einer das vornehme Gesindel an!« schrie er – »Sie Lump, Sie! Sie Baron, Sie Junge – na, wenn ich nur unten wäre!«

Übrigens war es sehr gut für ihn, daß er nicht unten war und überhaupt Niemand in der Allee hören konnte, was er rief, denn jedes einzelne Wort hätte Anlaß zu einer Injurienklage geben können.

»Aber was hast Du nur, Fürchtegott?«

»Was ich habe? Ist es denn nicht zum Halsabschneiden, wenn man zusehen muß, wie dieses übermüthige Gesindel den armen Arbeiter behandelt? – Haut ihn mit der Peitsche über den Kopf! Hätt' ich eine Flinte gehabt, vom Pferde hätt' ich den Cujon heruntergeschossen!«

»Aber schrei doch nicht so, die Schwester ängstigt sich ja – sie zittert so schon an allen Gliedern...«

»Und ich wohl nicht? – Aber vor Wuth!«