»Aber der Herr da unten giebt dem Mann ja Geld!«

»Der Andere war's – sein sauberer Compagnon – und das ist nun die »bevorzugte Klasse«, die höhere Schicht der Gesellschaft; das sind die Repräsentanten von Bildung und Intelligenz! Gott straf' mich, wenn man nicht manchmal verrückt werden möchte, nur ein solches Komödienspiel außer der Bühne anzusehen!«

»Wer war es denn?«

»Kenn' ich die Laffen alle, die mit Glacéhandschuhen und einem Titel und Orden in der Welt herumlaufen? Irgend einer der Gesellschaft, ob er nun Herr von so oder Herr von so heißt!«

»Aber, lieber Schwager, wir können die Welt nicht ändern...«

»Und wozu spielen wir denn Komödie?« rief Pfeffer, immer noch in voller Wuth – »weshalb führen wir ihnen denn auf der Bühne immer auf's Neue ihre Albernheiten und Schwachheiten, ihren Stolz und Dünkel, ihre Sünden und Laster vor, als um sie zu bessern? Aber Gott bewahre, da sitzt das verstockte Volk selber im ersten Rang, hört und sieht zu und applaudirt sogar noch mit, wenn man ihnen mit Gift und Galle einmal ordentlich die Wahrheit gegeigt hat! – Aber Gott bewahre, das geht sie ja nichts an, die Canaille, die da gemeint ist, heißt ja Franz Moor oder Präsident so und so – das sind sie ja nicht – sie sind Cavaliere von reinem Blut und Stammbaum – Herrgott von Danzig!« und seine Hausmütze auf's linke Ohr schiebend, rannte er aus dem Zimmer, zog sich drüben an und lief dann direct hinaus in's Freie und weit in den Wald hinein, nur um seinem Ärger und Ingrimm Luft zu machen. – –

Handor war eben von seinem Spaziergang in die eigene Wohnung zurückgekehrt. Unten im Hause traf er auf den Theaterdiener, der gerade bei ihm gewesen war, aber wieder fort wollte, da er einen Geldbrief abzugeben hatte. Er nahm ihn mit hinauf in die Stube, da er quittiren mußte.

Er wohnte in der Hauptstraße in der ersten Etage eines nicht großen, aber sehr freundlichen und netten Hauses chambre garnie. Die Einrichtung war elegant: Mahagoni-, mit rothem Plüsch gepolsterte Möbel, großer Spiegel in Goldrahmen, Kupferstiche und Ölbilder an den Wänden. Bücher standen nirgends. Nur auf dem Secretär lagen zwei oder drei ziemlich neue Bände und auf dem Tisch ein paar illustrirte und fünf oder sechs verschiedene Theater-Zeitungen – einige von diesen unter Kreuzband, wie sie von der Post gekommen, und noch nicht einmal geöffnet.

»Bitte, lieber Peters, kommen Sie hier mit herein,« sagte Handor, indem er, von dem Theaterdiener gefolgt, voran in sein Zimmer schritt und noch im Eintreten den Brief erbrach; »ich gebe Ihnen die Quittung gleich wieder mit. Hat der Director nichts weiter gesagt?«

»Gestöhnt hat er,« sagte der Mann, indem er, obwohl schon in der offenen Thür, trotzdem noch gewissenhaft vorher anklopfte – »wie er immer thut, wenn er Geld hergeben soll. Zäh ist er wie der Deubel.«