Zehnmal wenigstens mußte er den »Hamlet« schon gespielt haben, aber so zerstreut wie heute war der unglückselige Mensch noch in seinem ganzen Leben nicht gewesen, und Mauser hätte ihn erwürgen können.

Der Director selber ging in Todesangst hinten auf der Bühne auf und ab, denn Handor ließ sich nie etwas sagen und war im Stande, wenn er irgendwie geärgert wurde, heut Abend statt seiner Garderobe ein ärztliches Zeugniß auf die Bühne zu schicken, daß er nicht spielen könne. Er wollte wie ein rohes Ei behandelt werden, und wenn er heute stecken blieb – und nach der Generalprobe mußte er stecken bleiben –: der Director trug eine Perrücke, aber er hätte sich mögen die Haare ausreißen.

Rebe hatte die Rolle des Güldenstern, und in der Scene mit ihm und Rosenkranz wußte Handor in der That kein einziges Wort mehr; er mußte vor dem Souffleurkasten stehen bleiben und dem Souffleur nur eben nachsprechen, was er ihm vorsagte. Es war eine peinliche Situation für die übrigen Schauspieler, und nach der Scene, als Handor in das Conversationszimmer ging, wo er eine Flasche Wein stehen hatte, folgte ihm der Director.

»Mein bester Herr Handor!«

»Herr Director?«

»Nicht wahr, Sie memoriren heute noch tüchtig? Es – es haperte ein wenig; denn wenn wir uns heut Abend blamiren sollten...«

»Glauben Sie, daß ich mich blamiren werde, Herr Director?« sagte Handor.

»Sie – oh Gott, nein, gewiß nicht, lieber Handor! Aber schon ein Zögern im Dialog – der Erbprinz kennt den »Hamlet« durch und durch, und Sie können sich doch denken, daß ich eine Art von Stolz darein setzen würde, wenn Sie ihn so recht packten und hinrissen!«

»Haben Sie keine Furcht,« sagte Handor gleichgültig – »ich – bin heute Morgen etwas zerstreut – ich erhielt gerade vor der Probe einen unangenehmen Brief – die Todesnachricht eines Verwandten; ich kann meine Rolle, Sie werden heut Abend sehen.«

»Das gebe Gott!« sagte der geplagte Director mit einem recht aus tiefster Brust herausgeholten Seufzer; »Sie wissen ja auch, Herr Handor, daß ich Ihnen überall gern gefällig bin, wo ich nur irgend kann.«