»Ich weiß es, mein lieber Director; Sie werden heut Abend keine Ursache haben, sich über mich zu beklagen. Mauser soll mir kein einziges Wort souffliren.«
»Mein lieber Herr Handor!«
»Gewiß, mein bester Director; kommen, Sie, nehmen Sie ein Glas Wein mit mir. Mir ist die Kehle wie ausgebrannt.«
»Ja, mir auch,« stöhnte der Director, indem er der Einladung Folge leistete, »und hier wollen wir auf eine gute und zusammengreifende Vorstellung anstoßen – Hamlet lebe!«
»Hamlet der Däne lebe,« lachte Handor, »wenn Sie ihn auch heut Abend umbringen lassen!«
»Ach, Du lieber Gott, wenn nur der Abend erst vorüber wäre!« sagte der Director, wischte sich den Schweiß von der Stirn und griff dann seinen Strohhut auf, um nach Hause zu gehen. –
Draußen im Schlosse des Grafen Monford ging es fast noch unruhiger zu, als im Theater, denn einige dreißig Gäste waren auf heut Abend angesagt, und die Vorbereitungen dazu wurden im großartigsten Maßstabe getroffen.
Allerdings genirte den Grafen die Festvorstellung im Theater, und er würde die Verlobung seiner einzigen Tochter gern verlegt haben, wenn sich nicht gerade an diesen Tag eine besondere Erinnerung knüpfte. Aber eben heute vor achtundzwanzig Jahren hatte er sich mit seiner eigenen Frau verlobt, und es war schon seit langer Zeit sein Lieblingswunsch gewesen, Paula's und später George's Verlobung an dem nämlichen Tag zu feiern. Selbst die Ankunft des Erbprinzen konnte deshalb keine Änderung in seinem ursprünglichen Plan hervorrufen, hätte er sich selbst mit dem regierenden Hause besser gestanden, als er wirklich stand. Aber das war eine alte Geschichte, und der regierende Herr ihm einmal in einer Rangsache zu nahe getreten, was ihm Graf Monford nie vergab; weshalb also sollte er jetzt auch Rücksicht auf den Thronfolger nehmen! Es geschah ihm ganz recht, wenn er den ersten Rang nur spärlich besetzt fand, denn die Herrschaften hatten den Adel überhaupt vernachlässigt und mochten es sich selber zuschreiben, wenn der Adel ein Gleiches mit ihnen that.
Um so mehr fühlte sich aber der Graf Monford dafür verpflichtet, heute jeden Glanz zu entfalten, den sein Haus bot, und während das ganze Schloß von oben bis unten in einen blühenden Garten verwandelt worden war, brach die Tafel fast unter der Last des Silbers, die sie zu tragen hatte, und immer noch schleppten die Diener Kisten und Ballen herbei, deren Inhalt die hier schon ausgestreute Pracht vermehren sollte. Dadurch aber glich das Haus trotz der Blumen und der ausgestellten Herrlichkeit mehr einer Packkammer, als einer Festhalle.