Unten vom Drahtzaun her kam der Förster, die Flinte auf dem Rücken, den gescheckten Jagdhund neben sich. Wie er die freie Wiese betrat, bemerkte er augenblicklich die dort kauernde dunkle Gestalt des Mannes, und schritt quer über den Rasen auf den Burschen zu.
Der Spitz knurrte, sowie der Förster seine Richtung änderte, und Fritz sah erst seinen Hund an und dann nach der Gegend hinüber, die dieser andeutete.
»Ruhig, Spitz,« sagte er aber, wie er nur die Gestalt erkannt hatte; »der thut uns hier nichts und muß höchstens mit langer Nase wieder abziehen. Kommt mir gerade recht und bin eben in der Stimmung, ihm Audienz zu ertheilen.«
Ohne den Nahenden auch nur so weit zu beachten, den Kopf noch einmal nach ihm umzudrehen, fuhr er in seiner Arbeit fort; aber der Spitz knurrte stärker, denn der Jagdhund genirte ihn, und er rückte auch etwas näher zu seinem Herrn, als er bis jetzt gesessen.
Er und der Jagdhund schienen auch in der That keine großen Freunde zu sein, als ob sie die Antipathie theilten, die ihre beiden Herren gegen einander empfanden. Caro, wie der Hund des Jägers hieß, kam mit gesträubten Haaren und hochgehobenem Schwanze, an dem auch nicht die geringste Spur von Wedeln sichtbar war, langsam näher; er knurrte freilich nicht, aber seine oberen Lefzen zogen sich zusammen, daß die blanken und scharfen Zähne sichtbar wurden, und er sah den kleinen Köter dabei von der Seite mit einem Blick an, als ob er nur einen leisen Wink seines Herrn erwartete, um mit einem Sprung über den Eindringling herzufallen.
Der Spitz schien sich übrigens gar nicht so sehr vor dem ihm an Stärke vielleicht viermal überlegenen Gegner zu fürchten. Den Rücken deckte er freilich dicht an seinem Herrn, dort aber hielt er auch Stand und wies dem großen Hunde die Zähne so lebhaft und kampfesmuthig, und hob sein kleines Schwänzchen so keck und herausfordernd empor, daß man ihm ansah, er würde einem Angriff von der andern Seite keinen Zollbreit ohne Gegenwehr weichen.
»Na, mein Bursch, was treibst Du hier wieder?« redete der jetzt dicht herangekommene Förster den Maulwurfsfänger mit eben nicht freundlicher Stimme an. »Eine Woche fast bist Du ausgeblieben, und ich hatte schon im Stillen gehofft, daß wir Dich los wären; Du scheinst aber zäher zu sein, als Deine Maulwürfe.«
»Ein freundliches Waidmannsheil wäre wohl ein besserer Gruß für einen Collegen gewesen, Herr Förster,« lächelte der Angeredete spöttisch vor sich hin, »aber manche Menschen verstehen es nicht besser. Und wo ich gewesen bin? Auf einem andern Revier, Herr College, um dem Raubzeug nachzustellen, denn wenn ich von der Monford'schen Besitzung allein leben sollte, möcht' ich in der Woche wohl kaum ein Stück Fleisch in den Topf bekommen, und am Sonntag erst gar nicht.«
»Und wie haben die Fasanen geschmeckt?« fragte der Forstmann tückisch.
»Na, wenn's auch gerade keine Fasanen sind,« erwiderte gleichgültig der alte schlaue Bursche, der nicht auf solche Weise zu fangen war, »so ist's doch wenigstens ein gesundes Stück Rindfleisch oder eine Bratwurst. Übrigens thun Sie mir die Liebe und halten Sie Ihren Hund zurück, denn wenn er mit meinem Spitz anbindet, stehe ich Ihnen für nichts. Der verwünschte Köter hat mir erst gestern einen Metzgerhund todtgebissen.«