»Bedientenpack,« murmelte der Maulwurfsfänger in den Bart, als er dem davonschwenkenden Lakai nachsah, »serviles, lumpiges Gesindel, das hinter dem Rücken der Herrschaft die Nase unter dem Hutrand trägt und sie dann wieder vor lauter Unterthänigkeit bis in den Boden hineindrücken möchte – Bedientenpack, ob sie in einer gestickten Uniform oder in einer Livrée stecken! Da doch, bei Gott, lieber Holzhacker oder Tagelöhner, wenn ich mein freies Gewerbe einmal mit einer andern Branche vertauschen müßte! Unter Deiner Protection Wein saufen, Du Lump? Lieber faules Wasser aus einer Regenmulde! Aber nützlich sind die Kerle doch,« lachte er plötzlich still vor sich hin, »denn wie hätte ich ohne den Tagedieb jetzt erfahren, daß heut Abend großer Volksschmaus im Schlosse und der Förster ebenfalls geladen ist. Wart', Grünrock, für morgen früh will ich Dir wenigstens eine Überraschung bereiten, die Dich freuen soll! Aber da wird es Zeit, daß ich mich jetzt nach Hause mache. Komm, Spitz, heut Abend wollen wir auch hochleben und Braten essen und Wein trinken, wenn auch auf andere Weise, wie der Lump da denkt. Die Maulwürfe mögen heute Feierabend haben – Hurrah, die Verlobung soll leben!« – Und seine alte Waidtasche umwerfend und den Stock aufgreifend, schritt er rüstig den Weg entlang, der nach der Stadt hinunter führte.

18.
Leiden eines Theater-Directors.

Der Abend rückte heran und das Theater prangte im Festesschmuck. Director Krüger hatte sich nämlich nicht damit begnügt, eine außergewöhnliche Anzahl von Gasflammen zu öffnen und überhaupt Alles anzuzünden, was leuchten wollte, sondern auch schon seit zwei Tagen den benachbarten Eichenwald plündern und dicke Guirlanden binden lassen, die den ganzen ersten Rang schmücken sollten. In der herrschaftlichen Loge waren sogar zwei Lehnsessel neu gepolstert, kurz, das Außerordentlichste geleistet, und wer Krüger kannte, behauptete, er lebe nicht mehr lange, denn es sei kurz vor seinem Ende.

Natürlich war heute Abonnement suspendu – nicht des Hamlet wegen, oh nein, denn in die classischen Stücke brachte er sonst, selbst im Abonnement, kaum das Nothwendigste von Zuschauern hinein! Aber daß keiner der Haßburger morgen sagen wollte, er habe den Erbprinzen noch nicht gesehen, wußte er, und die Neugierde mußte ihm heute das Haus füllen. Das Stück selber hätte deshalb auch recht gut »Der Erbprinz« heißen können und würde dann nach beiden Seiten hin gepaßt haben.

Es war noch früh und die Kasse eben erst geöffnet worden, aber trotzdem fingen die Räume schon langsam an sich zu füllen. Einzelne Damen mit stattlichen Crinolinen arbeiteten sich über die Bänke weg, Herren kamen herein, den Hut noch auf dem Kopf, und begannen sich langsam ihre weißen Glacéhandschuhe anzuziehen, und nur oben in die Gallerie drängten sich die Massen ein, um heute einen guten Platz – das heißt, eine Aussicht nach der herrschaftlichen Loge – zu gewinnen, wo sie recht genau zuschauen konnten, was der Erbprinz für ein Gesicht machen und ob er recht applaudiren würde.

Auf dem Theater selber sah es noch leer und dunkel aus. Die Arbeitsleute waren allerdings schon beschäftigt, Lampenwerk u. s. w. in Ordnung zu bringen und die verschiedenen Requisiten nach den Richtungen hin zu tragen, wohin sie der Requisiteur beorderte, aber von Schauspielern selber ließ sich noch Niemand sehen, denn die staken noch alle in der Garderobe, und nur dann und wann kam noch ein verspätetes Dienstmädchen, das einen großen, breiten Korb mit irgend einem Anzug trug, und verschämt damit vor der Herrengarderobe stehen blieb, bis Jemand herauskam, um ihn ihr abzunehmen. Hinein wäre sie um die Welt nicht gegangen – das hatte sie Einmal gethan, das erste Mal, als sie auf's Theater geschickt wurde, und den Schreck würde sie im Leben nicht vergessen.

Der Director stand vorn auf der Bühne und betrachtete sich durch eins der kleinen im Vorhang angebrachten Löcher das anwachsende Publikum.

Der Theaterdiener Peters schoß ein paar Mal über die Bühne herüber und war außerordentlich beschäftigt, aber der Director achtete gar nicht auf ihn. Es schien ein volles Haus zu werden, und er amüsirte sich vortrefflich am Vorhangloch.

Jetzt kam Peters wieder zurück; er war eine Zeit lang verschwunden gewesen und ging gerade auf seinen Chef zu.

»Herr Director!«