»Ja, Peters,« sagte dieser, ohne seine Stellung zu verändern, denn er erkannte ihn an der Stimme – »was giebt's?«

»Herr Handor ist noch nicht da.«

»Was?« rief der Director und fuhr wie der Blitz herum – »und kommt schon in der zweiten Scene – Herr Du mein Gott, wo steckt der unglückselige Mensch nur wieder? Laufen Sie doch einmal schnell zu ihm hinüber, Peters, und sagen Sie ihm, es wäre...«

»Ich komme eben von drüben, Herr Director, es ist aber Niemand zu Hause und der Schlüssel liegt unter dem Schrank draußen, wo er ihn immer hinlegt, wenn er ausgegangen ist.«

»Dann sitzt er vielleicht in der »Hölle« – na, weiter fehlte mir heut Abend gar nichts – laufen Sie einmal schnell in die »Hölle«, Peters – springen Sie ein bischen; es wäre doch schauderhaft, wenn der Mensch nicht so viel Interesse an der Sache nehmen sollte, daß er nicht einmal seine bestimmte Zeit einhielte!«

»Herr Gott, meine Beine!« seufzte Peters, als er sich wieder umwandte und in einem kleinen Hundetrab seiner neuen Bestimmung zueilte; »das ist ein Leben, Theaterdiener – wenn ich mich einmal zur Ruhe setze, werde ich Briefträger.«

Der Director hatte indessen das Publikum ganz vergessen, und wenn er einmal einen raschen Blick durch den Vorhang warf, so kamen ihm jetzt die Zuschauer, die ihm früher zu langsam eintrafen, viel zu rasch. Wieder und wieder lief er nach der Garderobe, um sich selber zu überzeugen, ob denn sein unglückseliger Prinz von Dänemark noch nicht eingetroffen sei.

Und wie rasch die Zeit vorrückte, seit er auf ihn wartete! Es war ordentlich, als ob der große Zeiger an der Uhr im Conversationszimmer durchgegangen sei und auf den Moment loshetzte, wo sich Director Krüger mit seinem Hamlet unsterblich blamiren sollte. – Wahrhaftig, da traf das Orchester schon ein, und in der Hofloge – Krüger hätte durch eine Versenkung abgehen mögen – erschien ein mit Orden vorn ganz bedeckter Kammerherr, sah nach, ob die Stühle vorschriftsmäßig standen, und entzückte dann, indem er sich mit seinem weißen Glacéhandschuhen vorn auf den rothen Plüsch der Balustrade stützte und sich das Publikum betrachtete, die Gallerie, wo der Ruf schon von Lippe zu Lippe ging: »Da is er!«

Peters kam im Sturmschritt zurück. Handor war nicht in der »Hölle«, aber vor etwa einer Stunde dort gewesen und hatte ganz allein eine Flasche Champagner getrunken; wo er jetzt sei, konnte ihm Niemand sagen – im »Paradies« wußten sie's auch nicht.

»Ist er denn noch nicht hier?« fragte Peters. Der Director gab ihm gar keine Antwort, und nur mit einem verzweifelten Griff fuhr er sich in die Haare und hob sich die Perrücke halb vom Kopfe.