»Meine liebe Gräfin Rottack, wie ich mich freue, Sie wieder begrüßen zu können. Wir hatten solche Sorge neulich, als wir hörten, daß Sie sich unwohl fühlten! Herr Graf, Sie sind uns herzlich willkommen – hoffentlich hatte es mit Ihrer lieben jungen Frau weiter nichts zu sagen!«
»Migräne, gnädige Gräfin.«
»Ach ja, das alte, häßliche Leiden, ich kenne es; in unserer Familie ist es ordentlich epidemisch.«
»Auch Helene hat es geerbt,« sagte Graf Rottack ruhig. Aber die Gräfin erwiderte freundlich:
»Dann muß sich Ihre liebe Frau recht in Acht nehmen und in Geduld fassen, denn es verliert sich erst mit den Jahren. Und nun bitte, legen Sie ab, lieber Graf. George hat schon ein paar Mal nach Ihnen gefragt, er war selig, als er Sie kommen sah.«
»Er hat doch nicht etwa gefürchtet, daß wir ihn im Stich lassen würden?« sagte Felix.
»Er hat heute alle Hände voll zu thun,« lächelte die Gräfin, »und wirklich dabei das Unglaubliche geleistet, denn Paula ahnt noch gar nichts von der Überraschung – aber da kommt Paula, verrathen Sie sich nicht!«
Paula hatte die junge Gräfin gesehen und kam rasch auf sie zu; aber je mehr sie ihr nahte, desto mehr hemmte sie ihren Schritt, und wollte sie und ihren Gatten eben in der gewöhnlichen stummen und hergebrachten Form der vornehmen Welt begrüßen, als Helene auf sie zutrat, ihre beiden Hände ergriff und mit herzlicher Stimme sagte:
»Meine liebe Comtesse, wie freue ich mich, Sie wiederbegrüßen zu können!«
Die Worte klangen so gut, so lieb, so wahr – Paula traten, so sehr sie dagegen ankämpfte, die Thränen in die Augen, und unwillkürlich bog sie sich zu Helenen über, die einen leisen Kuß auf ihre Stirn drückte.