Die Mutter sah es, und freundlich sagte sie:

»Nehmen Sie sich der Kleinen ein wenig an, Frau Gräfin; sie macht ein viel traurigeres Gesicht heute, als es für den Tag paßt; sie ist mir auch immer zu viel allein und sinnt und grübelt; das taugt nicht für ein junges Mädchen. Aber jetzt entschuldigen Sie mich, meine Pflichten als Hausfrau sind unerbittlich.«

»Wer ist denn dieser Graf Rottack eigentlich, und wo kommt er auf einmal her?« sagte ein alter Herr mit einem entschieden militärischen Anstrich, zu einem andern Herrn, der neben ihm stand und mit einem etwas verbissenen Gesicht bis jetzt die Gesellschaft betrachtet hatte, als ob er sich über jeden Einzelnen ärgere, daß er überhaupt auf der Welt wäre. »Wissen Sie es nicht, Herr Staatsrath?«

»Thut mir leid,« entgegnete der also Angeredete, »er war lange in Brasilien und hat sich auch seine Frau von dort mitgebracht.«

»Es ist ein reizendes Paar; wunderhübsches Frauchen.«

»Ja, passirt; er sieht mir aber eher wie ein Demokrat im Frack, als wie ein Graf aus, macht auch Besuche bei Schauspielern. Ich glaube nicht, daß viel dahinter ist. Apropos, Oberst, haben Sie denn schon diesen neuen Beitrag zu unserer chronique scandaleuse gehört mit dem Baron Beltine?«

»Mit Beltine? Nein. Da drüben steht er ja.«

»Ja, er ist wieder zurück. Vor acht Tagen machte er sich aber das kleine Vergnügen, eine Schneiderstochter von hier zu entführen. Die ganze Stadt war ja voll davon.«

»Ich habe kein Wort davon gehört; er ist ja aber verheirathet.«

»Eh bien, und was weiter – seine Frau fuhr indessen allein in's Theater.«