»Ach, das ist ja gar nicht möglich; das wäre ja eine Niederträchtigkeit und Graf Monford der Letzte, der ihn danach wieder einladen würde.«

»Lieber Oberst, Sie kennen die Welt noch nicht, obgleich Sie beinahe siebzig Jahre darin leben; der Baron ist außerordentlich reich.«

»Sind Sie auch mit ihm befreundet?«

»Befreundet,« sagte der Staatsrath, die Achseln zuckend; »mit wem ist man eigentlich in der Welt befreundet, und ich in meiner Stellung schon gar. Ich glaube nicht, daß es zwei Menschen in der Stadt giebt, die mich nicht hassen, aber merken Sie das Jemandem an, Oberst? Sie sind Alle die Höflichkeit selber, so lange sie mit mir verkehren, alles Andere geht mich nichts an, und wie sie hinter meinem Rücken schimpfen, was kümmert's mich? Ebenso halten es Andere. Der Baron kann mich auch nicht leiden, eingebildeter, fader Narr, der er ist; aber er und ich geben ausgezeichnete Dejeuners, und da brauchen wir einander.«

»Da kommt er gerade auf uns zu.«

»Ah, lieber Staatsrath! Herr Oberst, ich habe die Ehre!« »

»Mein bester Baron, wo haben Sie die ganze Woche gesteckt? Mir hat ordentlich etwas gefehlt, wenn ich Ihnen Morgens auf meinem gewöhnlichen Spaziergang nicht begegnete.«

»Sie sind sehr gütig, Herr Staatsrath; ich war auf einige Tage in der Residenz, wohin mich Geschäfte riefen. Die gewöhnlichen Plackereien des Lebens.«

»Über die ich Sie erhaben glaubte.«

»Keiner von uns, Keiner von uns, lieber Staatsrath; aber wo ist eigentlich unser junges Pärchen?«