Der alte Förster war ein ganz ausgezeichneter Forstmann und es hätte kaum einen besseren für die Waldculturen geben können, aber er war kein Jäger, und das darf uns in unserer Zeit gar kein Wunder nehmen. – Allerdings hegte er das Wild, weil es ihm der Graf befohlen hatte, und er haßte und verfolgte alle Wilddiebe aus Leibeskräften, weil ihm das einmal in der Natur lag, daß er keinen Eingriff in seine Rechte dulden konnte. Aber eigentliche Liebe zum Wild hatte er nicht und konnte sie nicht haben, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ihm schon seit vielleicht zwanzig Jahren verboten war, selber etwas zu schießen, was der Graf nur für ein Vorrecht der Cavaliere oder etwa eingeladener Gäste hielt.

Der Förster sollte den ganzen Tag in seinem Walde sein; er sollte abspüren und bestätigen, er sollte jeden Hirsch kennen, der auf den verschiedenen Revieren stand, jeden Rehbock sogar; aber der ächten Waidmannslust durfte er selber nie folgen.

In der Jagdzeit hatte der Graf immer eine Menge Gäste, zu deren Ehren Treibjagen veranstaltet oder die mit dem Förster oder einem der Forstgehülfen Bürschen geschickt wurden. Mußte aber Wild abgeschossen werden, so bekamen nie oder nur in höchst seltenen Fällen die Forstleute Auftrag dazu, sondern der junge Graf that es selber, oder lud sich ein paar von seinen Kameraden dazu ein, die dann vielleicht die nöthige Anzahl erlegten und noch außerdem drei oder vier andere Stück zu Holz schossen.

Im Anfange war der Förster außer sich darüber, zuletzt wurde er gleichgültig dagegen, und es dauerte nicht lange, so lag ihm die Forstcultur viel mehr am Herzen, als das Wild, ja, er fing an, sich zu ärgern, wenn der Wildstand zu sehr wuchs, da sie ihm in kalten Wintern seine Culturen schädigten.

Hirsche und Rehe, so weit war er schon gekommen, nannte er »das Viehzeug«, und wäre es dem Grafen einmal eingefallen, seinen ganzen Wildstand auszurotten, der alte Förster würde ihm mit Vergnügen dabei geholfen haben.

Solche Verhältnisse fanden übrigens nicht allein in Haßburg statt; sie sind ziemlich allgemein in ganz Deutschland geworden, und unsere Nachkommen dürfen sich nicht wundern, wenn sie in unserem Vaterland eben so vergebens nach einem wirklichen Jäger suchen werden, wie man jetzt bei uns noch nach einem Wolf, Luchs oder Bären sucht. Sie sind eben oder werden wenigstens ausgerottet.

Der alte Förster hatte, mit einem Wort, »keine Passion« für das edle Waidwerk; er züchtete das Wild, wie eine Hausfrau Hühner und Gänse züchtet, und deshalb war der alte Maulwurfsfänger ein so gefährlicher Kunde für sein Revier.

Dieser nämlich, durch seinen Beruf schon vollkommen berechtigt, überall im Park, in dem es einen sehr bedeutenden Damwildstand gab, umherzusuchen, um angeblich nach Maulwürfen und ihren Gängen zu forschen, hatte diese günstige Gelegenheit nicht unbenutzt verstreichen lassen und kannte alle Wechsel des überhaupt vollkommen vertrauten Wildes so genau, als ob er es hier seit seiner Jugendzeit beobachtet habe; aber das genügte ihm nicht allein.

Er wußte recht gut, daß er in dem umschlossenen und kleinen Park nicht schießen durfte, ohne im Augenblick die sämmtlichen Schloßbewohner auf seiner Fährte zu haben; an ein Wegschaffen irgend eines erlegten Stück Wildes wäre dann nicht zu denken gewesen. Der alte Bursche verstand aber mehr als Maulwürfe zu fangen, und mit dem Terrain erst einmal genau bekannt, hatte er auch bald seinen Plan entworfen.

Gleich hinter der Fasanerie lag ein schmales und langes Fichtendickicht, das den Park gewissermaßen gegen das daranstoßende Feld abschloß und absichtlich so dicht angesäet war, um besonders den jungen Fasanen genügenden Schutz gegen Raubvögel zu gewähren. Hier hindurch hatte sich das Damwild einen Wechsel angelegt, um zu dem Haferstück zu gelangen, und sobald der Maulwurfsfänger den ausspürte, legte er am äußersten Rand desselben auch noch eine Art von künstlicher Salzlecke an, indem er oben unter die Äste einer jenen Platz überragenden Eiche ein paar kleine Salzsäcke band. Bei Regen und nasser Witterung tropfte das aufgelöste Salz herunter, und das Wild hatte dann auch nach kaum drei Wochen den Platz schon aufgefunden und leckte dort ein tiefes Loch in den Boden, um den salzigen Geschmack der Erde zu bekommen.