Weiter wollte der Wilderer nichts; er ließ sie ruhig gewähren, bis seine Zeit gekommen war, und den heutigen Abend hielt er dazu passend. Der Förster saß oben bei der Flasche, der Forstgehülfe war mit den alten Böllern beschäftigt und außerdem ebenfalls durstig; von den Beiden hatte er also nichts zu befürchten. Aus dem Schloß selber kam Niemand heut Abend in den Park, davon war er fest überzeugt; eine bessere und günstigere Gelegenheit fand sich deshalb nicht wieder, und er war fest entschlossen, sie zu benutzen.

Aber er hatte auch schon vorgearbeitet. Daß er ohne Schußwaffe und in einer ziemlich dunkeln Nacht, da der Mond erst nach zwölf Uhr aufging, nichts würde ausrichten können, wußte er recht gut. Zu seinem Wilddiebstahl brauchte er aber kein Licht; ja, Dunkelheit war ihm eher noch günstig, denn schon mit der einbrechenden Dämmerung hatte er sich auf ihm vortrefflich bekannten Wegen in jenes Dickicht geschlichen und dort auf dem Wechsel eine feste Drahtschlinge aufgestellt. Gleich nach Dunkelwerden wechselte das Damwild gewöhnlich von der Parkwiese nach dem Haferfeld hinüber, und nahm es dann wirklich einen andern Weg, so hatte er weiter nichts zu thun, als außen am Park das Feld langsam abzugehen, und er konnte sicher sein, daß eins oder das andere der Thiere den kleinen Pfad annahm und sich dann fing.

Jetzt hatte er den Fichtenstreifen erreicht und kroch vorsichtig darin hinauf; aber er war zu dicht, er kam nicht fort, und wieder in das offene Holz hineinbiegend, glitt er unmittelbar am innern Rand der Stelle zu, wo er seine Schlinge wußte.

Halt, was für ein Geräusch war das? Er hielt und horchte; es schlug etwas den Boden.

»Hurrah,« jubelte er in sich hinein, »da steckt mein Sonntagsbraten, dem auch die Flasche Wein nicht fehlen soll!« und wie ein Indianer fast, rasch und geräuschlos, floh er über die trockenen Nadeln hin, mit denen hier eine Anzahl mehr einzeln stehender Kiefern den Boden bestreut. Jetzt erreichte er den Platz. Die Anstrengungen des gefangenen Wildes, da es den Feind nahen hörte, wurden stärker; es riß und zerrte an den Büschen und schnellte sich vom Boden empor. Aber die Schlinge, an die elastischen Zweige der nächsten jungen Bäume befestigt, hielt, und wenige Minuten später hatte der Maulwurfsfänger seine Beute, ein feistes Schmalthier, gefaßt, zu Boden gerissen und ihm mit seinem scharfen Genickfänger den Todesstoß gegeben.


Die Gäste waren alle versammelt, und während ein Theil von ihnen, den wundervollen Abend noch genießend, vorn auf der Terrasse spazieren ging, bildeten sich auch in dem Saal selber, dessen Thüren und hohe Fensterflügel weit geöffnet standen und die balsamische Luft wie den Duft der Blumen überall herein ließen, einzelne Gruppen von Bekannten untereinander. Und jetzt kam auch George, der sich aber Einzelne unter den Gästen aussuchte, um ein paar Worte mit ihnen zu flüstern. Auch zu Rottacks ging er hinüber.

»Meine Herrschaften,« sagte er rasch und fröhlich, »gleich nach dem Souper beginnt unser Wirken; thun Sie mir also den Gefallen und machen Sie sich, sobald Sie möglicher Weise können, von der Tafel los, damit es keinen Aufenthalt giebt. Ich darf doch auf Sie zählen?«

»Sicher,« sagte Rottack.

»Und Paula hat noch nichts gemerkt? Sie sprachen vorhin mit ihr angelegentlich, Frau Gräfin.«