»Mein lieber Herr Rebe« (»lieber« Herr Rebe hatte er ihn noch nie genannt), sagte der Director wirklich etwas verlegen, »es – es thut mir in der Seele leid, daß wir es nicht früher einmal mit einer etwas bedeutenderen Rolle versucht haben! Halten Sie sich nur heut Abend tapfer; das Publikum ist noch merkwürdig still, aber verlieren Sie den Muth nicht, es geht doch vielleicht noch gut.«

»Mit ein klein wenig Nachsicht hoffe ich mein Versprechen zu lösen,« sagte Rebe; »aber das Orchester beginnt schon wieder. Entschuldigen Sie, Herr Director, ich komme nachher von der andern Seite, und möchte noch einen Blick in meine Rolle werfen.«

»Bitte, lassen Sie sich um Gottes willen nicht stören!«

Der Director war die übertriebene Höflichkeit. Er kannte sich selber nicht wieder, und Peters ging immer hinten auf dem Theater auf und ab und schüttelte mit dem Kopf. So etwas war ihm in seiner Praxis noch nicht vorgekommen.

Hinter der Scene stand Pfeffer als Todtengräber mit dem Geist.

»Wißt Ihr 'was Neues, Barthel?«

»Nichts, mein Prinz,« erwiderte Barthel mit den Worten des Güldenstern, »außer daß die Welt ehrlich geworden...«

»So will ich's Euch sagen,« rief Pfeffer, »in dem Rebe steckt ein Schauspieler!«

»Es brauchte kein Todtengräber vom Grabe herzukommen,« citirte Barthel weiter, nur mit einer Veränderung des Textes, »uns das zu sagen – aber was für einer, ist die Frage.«

»Ein tüchtiger, wackerer Schauspieler!« rief Pfeffer in Eifer. »Hol' mich der Teufel, der Handor reicht ihm das Wasser nicht in der Scene.«