»Bah,« sagte Barthel, der von der Schauspielkunst ganz eigene Ideen hatte, »er sprach den Hamlet etwa gerade so, als ob Sie oder ich einen Geist gesehen hätten und außer sich wären – von Kothurn keine Spur – man darf doch nie vergessen, daß man auf dem Theater ist!«
»Ich will Ihnen 'was sagen, Barthel,« meinte Pfeffer, »Sie sind ein Esel und verstehen vom Hamlet gerade so viel wie der Peters!«
»Ich will Ihnen 'was sagen, Pfeffer,« erwiderte Barthel, »wir sind gute Freunde, aber Sie brauchen deshalb nicht gleich so grob zu werden...«
»Ruhe da hinten, es geht an!« rief der Inspector aus der Coulisse heraus, und im nächsten Augenblick ging der Vorhang wieder in die Höhe.
In der zweiten Scene erregte der neugeworbene Güldenstern mit seinem dicken Backen einige Heiterkeit, denn der Regisseur hatte ihn nicht mit angemeldet; aber das Publikum beruhigte sich bald darüber, denn Meier, als welcher er bald erkannt wurde, war eine zu beliebte und allbekannte Persönlichkeit in der Stadt, für deren bestes Bier er als Orakel galt, als daß man ihn irgend hätte kränken mögen. Außerdem lag es auf der Hand, daß er nur aus Gefälligkeit in Rebe's Rolle eingetreten sei. Der Erbprinz lachte aber, daß er sich zurückbeugen und sein Gesicht mit dem Tuch bedecken mußte, und Meier warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.
Der zweite Act ging wieder so ruhig vorüber, als der erste. Nicht einen einzigen Applaus bekam Hamlet, obgleich die Zuschauer doch bei Fräulein Bellachini bewiesen hatten, daß sie applaudiren konnten. Peters ging um den Director herum. –
»Herr Director!«
»Ja, Peters.«
»Der Rebe macht seine Sache gar nicht so schlecht; soll ich einmal wieder in's Parterre hinunter und vielleicht mit einer Kleinigkeit...« – er zeigte dabei seine zwei hornharten Fäuste.
»Um Gottes willen, Peters!« rief der Director erschreckt. »Rebe ist in dem Act viel schwächer, als im ersten – ein einziges verkehrtes Beifallszeichen, und der Teufel geht am Ende los! Wir wollen Gott danken, wenn wir die Sache ruhig zu Ende bringen!«