»Wie Sie meinen; manchmal hängt's aber nur an einer Kleinigkeit...«

»Ja wohl thut's das,« rief der Director, »und wir wollen es selber nicht muthwillig heraufbeschwören! Die Heidenangst, die ich heut Abend ausstehe, werde ich überhaupt im Leben nicht vergessen!«

Als der Vorhang fiel, regte sich Niemand. Selbst der Erbprinz hütete sich, einen zweiten Versuch zu machen, da der erste so gründlich mißglückt war. Rebe schien etwas befangen, denn die übrigen Schauspieler wichen ihm aus, aber er suchte seiner Furcht Herr zu werden.

Fräulein Bellachini tanzte wieder in diesem Zwischenact, und Rebe benutzte die Zeit, um indessen hinter der Bühne mit dem Laertes, einem jungen, ganz geschickten Schauspieler, die Zweikampf-Scene ein wenig einzuüben, da diese in der Ausführung besondere Schwierigkeiten hat und leicht lächerlich wird. Rebe selber wußte übrigens vortrefflich mit der Stoßwaffe umzugehen, und da sich sein Gegner auch alle Mühe damit gegeben hatte, ging es recht gut.

Jetzt kam der dritte Act – kam die Scene mit der Mutter, und Rebe entwickelte da eine so volle Kraft und schöne, edle Sprache, daß sich im Publikum immer mehr ein Gefühl zu regen begann, er habe doch am Ende wohl einen Beifall verdient, aber Jeder scheute sich den Anfang zu machen.

Die Scene spielte er durch, von Anfang bis zu Ende ganz vortrefflich, und todtenstill saß das Parterre dabei, denn der erste Rang hält es gewöhnlich für unter seiner Würde, zu applaudiren. Es greift auch die Glacéhandschuhe zu sehr an, und wie darf da der Schauspieler in Betracht kommen, der all' seine Kräfte darangesetzt hat, seiner Aufgabe zu genügen, und dem das Publikum durch nichts, nichts weiter auf der Welt lohnen kann, als augenblicklichen Beifall!

So kamen die letzten Worte:

»Nun, Mutter, gute Nacht – der Rathsherr da

Ist jetzt sehr still, geheim und ernst fürwahr,

Der sonst ein schelm'scher alter Schwätzer war.