»Was ist denn?« fragte der Lakai.

»Oh, ein Fuchs holt mir die Fasanen weg, und dem hab' ich ein Eisen gestellt,« sagte der Förster; »will nur einmal nachsehen, ob er drin sitzt.«

»Na, viel Glück!« rief ihm der Mann nach.

»Esel!« brummte der Waidmann vor sich hin, als er die Thür zudrückte und sich durch das Gedränge der draußen herumschwärmenden Gäste Bahn brach. Er hatte Gift und Galle im Herzen und erwiderte nicht einmal manchen ihm hier und da gebotenen Gruß.

Es trieb ihn auch, aus der Nähe des Schlosses fortzukommen, und rasch schritt er den Weg entlang nach dem Fluß hinüber, um dort vielleicht den »alten Cujon«, wie er ihn nannte, auf frischer That bei verbotenem Fischfang zu ertappen, und ihn dann den Gerichten ausliefern oder doch wenigstens die Anzeige machen zu können, denn eher wurden sie den frechen Gesellen nicht aus der Gegend los. Konnte er aber erst einmal eines Vergehens überwiesen werden, dann verstand es sich auch von selbst, daß man ihn hier erst abstrafte und nachher als Ausländer einfach über die Grenze schaffte.

Am Fluß selber kannte er genau jede Stelle, an der sich ein Fischdieb einigen Erfolg versprechen durfte, und am Strom hinauf hielt er sich ein Stück davon entfernt auf dem dunkeln und weichen Rasen, bis er einen solchen Platz erreichte und dann mit aller Umsicht dort hinüberschlich – aber immer vergebens. Da, wo er den Wasserrand erreichte, flog ein aufgescheuchter Vogel aus den Büschen, dort sprang ein Frosch in's Wasser, lauter Zeichen, daß sie kürzlich von keinem Menschen belästigt oder gestört worden, und er hatte den Drahtzaun schon fast erreicht, als er draußen vor dem Thor ein Pferd schnauben hörte.

»Na?« sagte der Förster und blieb erstaunt stehen, »wer hält denn jetzt da draußen vor dem Gitter? Die Gäste haben doch die Auffahrt alle vorn.« – Er wäre auch gern einmal vorgegangen, um den Kutscher zu fragen, was er da zu thun habe, denn Stadtwagen durften den Weg gar nicht fahren; knüpfte er aber hier ein Gespräch an, so verrieth er sich vielleicht dem möglicher Weise ganz in der Nähe befindlichen Fischdieb. Nicht einmal über das Gitter konnte er hier; ohne von dem Kutscher bemerkt und dann jedenfalls angerufen zu werden, und da der Maulwurfsfänger nicht innerhalb der Umzäunung stak, mußte er doch jedenfalls draußen sein, wo er auch noch weniger eine Entdeckung zu fürchten brauchte.

Der Förster also, dem nicht so viel daran lag, zu wissen, wer hier unbefugt fahre, da das auch eigentlich Sache des Haushofmeisters oder des Gärtners war, als vielmehr dem Maulwurfsfänger nachzuspüren, zog sich wieder in den Schutz der dichten Erlenschatten zurück und kreuzte, da er hier nicht durch den Fluß konnte, die Wiese. Weiter oben brauchte er dann nur dicht unter dem Holz über den Drahtzaun zu steigen und einen kleinen Bogen zu machen, und kam dann immer wieder, und zwar an einem der besten und bequemsten Fischplätze, an's Wasser.

Wie er den Waldrand erreichte und daran hinschlich, hörte er plötzlich ein Geräusch im Gehölz, als ob Jemand mit einem Stock auf den Boden schlüge. Er stutzte und horchte – jetzt war Alles ruhig. – Sollte denn der verteufelte Kerl selbst in dieser Nacht seinen Fasanen wieder nachstellen? Aber das war ja gar nicht möglich! Was hätte er denn in der Dunkelheit mit ihnen ausrichten können? Wenn man gegen die Bäume hinaufsah, war nichts als ein dunkler, undurchdringlicher Fleck zu erkennen, in dem man nicht einmal einen weißen Vogel so groß wie ein Truthahn unterschieden haben würde, viel weniger einen dunkeln Fasan, der sich an einen der gleichfarbigen und dichtbelaubten Äste schmiegte. Das war vollkommen unmöglich, und wenn – da wieder – wieder das nämliche Geräusch in den Büschen, genau so, als ob ein Rehbock den Grund mit den Vorderläufen schlägt.

Der Förster horchte noch gespannt, um sich der genauen Richtung zu vergewissern, als er hinter sich nach der Wiese zu ein Geräusch hörte und den Kopf rasch dorthin drehte.