Die Trompeten hinter dem Vorhange schmetterten ihre fröhlichen Weisen so stark hervor, daß die Worte beinahe unverständlich wurden. George schritt zu dem Vorhang, schlug ihn zurück und gebot Ruhe.

Mit einem Mißklang hörten die Leute überrascht mitten im Tact auf, und eine unheimliche Stille lag in dem Moment auf dem Saal. Da trat der alte Graf Bolten wieder in den Saal und sagte mit ernster, aber vollkommen leidenschaftsloser Stimme:

»Meine Herrschaften, es thut mir leid, Sie benachrichtigen zu müssen, daß wir uns in keinem Hause der Freude, sondern in einem Hause der Trauer befinden. Meinen alten Freund Graf Monford hat ein ernster Unfall betroffen, der seine Familie an sein Lager fesseln muß – die Tafel ist aufgehoben, denn es würde unmöglich sein, unter diesen Umständen noch längere Störung hier zu verursachen.«

»Aber was fehlt ihm? Was ist geschehen?« rief es von allen Seiten.

»Hoffentlich nichts,« erwiderte abweisend der alte Herr, »was uns verhindern könnte, in einigen Wochen, ja, vielleicht in einigen Tagen wieder eben so fröhlich hier zusammen zu kommen – Frau Gräfin, erlauben Sie mir, daß ich Ihnen meinen Arm biete und Sie hinüber zu Ihrem Gemahl führe.«

»Jetzt kommt der Chor der Pilger, meine Gnädige; habe ich es Ihnen nicht gesagt? Und wie gut die Suppe riecht!« flüsterte der Staatsrath seiner Nachbarin zu.

»Meine Nerven!« stöhnte diese und machte eine Bewegung, als ob sie sich an seinen Arm hängen wollte, dem der Hofmann aber geschickt auswich, indem er that, als ob er es gar nicht bemerkte, und sich rasch ab zu einem Andern der Gesellschaft wandte. Die Dame wurde deshalb nicht ohnmächtig.

Aber eine grenzenlose Verwirrung hatte sich indessen der Gäste bemächtigt. Felix war rasch zu Helenen hinüber gegangen. Er wollte mit George sprechen, aber dieser war seiner Mutter schon gefolgt, und aufdrängen durfte er sich nicht. Er fühlte auch recht gut, daß man jetzt der Familie keinen größeren Gefallen thun könne, als sie sobald als irgend möglich von der Gegenwart Fremder zu befreien; deshalb Helenens Arm ergreifend, flüsterte er ihr rasch zu:

»Komm, mein Herz, hier ist weiter nichts zu thun, als uns zu entfernen. Bei der wundervollen Nacht gehen wir recht gut zu Fuß in die Stadt zurück; laß uns ein wenig eilen, daß wir nicht in den Troß kommen.« Er nahm ihren Arm und führte sie aus dem Saal, und das war das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch.

Draußen auf dem Gang stand ein alter Diener, der dem Grafen seinen Rock gab.