»Glauben Sie, daß er etwas hat?«
»Ich weiß es nicht; hingehalten hab' ich – ein bischen tief – aber ich konnte nichts sehen; der Schweiß lief mir in's Auge und stockfinster war's auch, und der Kerl stak in dem jungen Holz drin – aber nachher hat's geraschelt; es ist doch möglich, daß ihm ein paar Schrote in die Beine gefahren sind – 's ist zwar nur Nummer sechs, aber ich möchte doch nicht gern, daß der Kerl die Nacht im Busch läge. Machen Sie, daß Sie fortkommen. Wenn Sie zurück sind, sagen Sie mir Antwort, dann will ich einschlafen.«
Der Forstgehülfe gehorchte dem Befehl; junge Burschen, die ihn begleiten wollten, waren noch genug da, und die Fackeln aufgreifend, welche schon vorher benutzt worden, schritt der kleine Trupp rüstig durch den Park, bis sie die Gegend erreichten, wo sie vorher den Förster gefunden.
Hier übernahm der Forstgehülfe die Leitung. Zuerst mußten sie noch eine kurze Zeit nach der wirklichen Stelle suchen, aber die war bald gefunden, denn in den erst am Nachmittag frisch geharkten Wegen waren die vielen Fußtritte deutlich erkennbar. Und dort lag auch die Blutlache. Hier über den Weg war der alte Mann herübergekommen, Blutzeichen fanden sich überall, die an den Kleidern niedergetropft; dort war er aus den Büschen herausgekommen, ein paar Zweige, an die er sich gehalten, fanden sie eingeknickt, niederhangend und voller Blut – überall hingen in der That die Spuren und führten deutlich zu dem Fichtenstreifen hinüber, wo der von dem gefangenen Wildkalb geschlagene Fleck ihnen schon von Weitem die Stelle zeigte.
»Himmelhund!« fluchte der Forstgehülfe, als er das verendete Thier, noch in der Schlinge festsitzend, fand und sich jetzt niederbog, um es frei zu machen und mit zum Schloß zu nehmen – »wenn ihm der Alte doch nur den.... vollgeschossen hätte!«
»Da knurrt ein Hund!« rief Einer der Leute. Alle horchten, und deutlich hörten sie jetzt aus den Büschen heraus einen menschlichen Ruf nach Hülfe.
»Da liegt er!« rief der Forstgehülfe, und sich rasch emporrichtend, griff er nach einer der Fackeln und preßte durch die Fichtendickung der Stelle zu, von der er den Ruf zu hören geglaubt. Er brauchte nicht weit zu gehen. Kaum zehn Schritt in den Fichten drin schlug ein kleiner Hund an, und dort fanden sie, bleich und mit Blut bedeckt, aber bei voller Besinnung, den Maulwurfsfänger, der hier den Schuß erhalten hatte und zusammengebrochen war.
»Hallo! wen haben wir da?« rief der Forstgehülfe, während er scheu vor dem Anblick zurückprallte und der Hund ein wüthendes Geheul ausstieß. Die dichten Büsche ließen auch kaum die Gestalt erkennen, denn die Fichtenzweige bogen sich von allen Seiten über ihn hin.
»Tragt mich zu Jonas hinüber,« bat der Unglückliche – »mir ist das Bein zerschossen, ich kann nicht mehr!«
Der Vorschlag war in der That vernünftig. Des alten Gärtners Haus lag kaum dreihundert Schritt von dort im Dickicht drin, während die Entfernung nach dem Schloß die dreifache gewesen wäre. In's Schloß hätten sie ihn aber überhaupt gar nicht schaffen dürfen; dort herrschte überdies schon Verwirrung genug, und wenn jetzt der angeschossene Mensch noch dazu gekommen wäre – das ging gar nicht. Der alte Jonas hatte aber oben in seinem Hause noch ein kleines Zimmerchen, das gar nicht benutzt wurde. Dort konnten sie ihn bequem unterbringen, und die einzige Schwierigkeit war jetzt nur, ihn aus dem Dickicht heraus auf den Weg zu schaffen. Der Forstgehülfe schüttelte mit dem Kopf. –