»Heut Abend scheint ja hier auf dem Schloß der Teufel los gewesen zu sein,« sagte er, »und Ihr habt genug Unglücksfälle für ein ganzes Jahr. Haltet Euch still, Freund, das ist das Beste, was ich Euch rathen kann.«

»Ich werde bald still genug sein,« flüsterte der Alte.

»Nun, so arg ist's nicht,« beruhigte der Arzt; »ein Schuß in's Bein ist noch kein Schuß in den Leib, und ich denke, ich bringe Euch wieder auf die Füße. Wo seid Ihr zu Hause?«

»Fragt die Maulwürfe, die könnten's Euch eben so gut sagen; für jetzt wohne ich in Haßburg in der Färbergasse.«

»Ich will dafür sorgen, daß Ihr heut Abend noch bessere Pflege bekommt,« sagte der Ober-Medicinalrath, »denn nach der Stadt kann ich Euch mit dem Bein nicht transportiren lassen; wir müssen eine Entzündung vermeiden. Habt Ihr eine gute Natur?«

»Wie ein Pferd,« sagte der Alte.

»Gut, dann hoffe ich Euch durchzubringen; aber Ruhe und keine spirituösen Getränke, überhaupt keine Aufregung. Diese Nacht macht ihm kalte Umschläge; ich will sehen, vielleicht bekomme ich noch Eis in der Stadt und schicke Euch davon heraus. Gute Nacht!«

»Gute Nacht, Herr Doctor!« sagte der Maulwurfsfänger, schloß die Augen und legte sich auf seinem Lager zurück. – –

Unten im Schloß war die Gräfin in dem Zimmer, in welchem der Graf lag, in fieberhafter Ungeduld auf und ab gegangen; aber der weiche Teppich ertödtete jeden Schall, so daß der Kranke, der wie schlafend lag, nichts davon hören konnte. Sie erwartete Nachricht von George, von Hubert, denn das Furchtbare war geschehen, ihre Tochter hatte sie vor den Augen der Welt compromittirt, aber das Furchtbarste konnte ihr doch nicht aufbehalten bleiben. Beide junge Leute waren den Flüchtigen nach, die kaum eine Viertelstunde, ja vielleicht nicht einmal zehn Minuten Vorsprung hatten, und Einer von ihnen mußte sie ja doch überholt haben.

Aber sie kamen nicht zurück; Minute nach Minute, Stunde nach Stunde verging, und vergebens horchte sie den klappernden Hufen eines der Pferde.