Der Ober-Medicinalrath kehrte zurück und erkundigte sich nach seinem Patienten. Er schlief, oder lag wenigstens regungslos auf seinem Sopha, wie er ihn vorher verlassen hatte, schien auch nicht zu hören, was um ihn her vorging, beantwortete wenigstens keine der an ihn gerichteten Fragen.
Der Ober-Medicinalrath wollte sich auf sein Zimmer zurückziehen und rieth der Gräfin, ebenfalls schlafen zu gehen. Bei dem Kranken konnte ja eine Wache zurückbleiben und sie augenblicklich rufen, sobald er etwas verlange; ihr selber würde diese unnöthige und gewaltsame Aufregung nur schädlich sein. Die Gräfin verweigerte es; sie wollte wachen, sie war nicht müde.
Der Ober-Medicinalrath zuckte die Achseln und verließ das Zimmer; er war müde.
Wieder verging eine halbe Stunde – da hörte sie Hufschläge auf dem Pflaster des Hofes, die anhielten. Sie öffnete rasch das Fenster und horchte hinaus. Stimmen konnte sie hören, aber keine Worte unterscheiden. Sie klingelte, und es dauerte eine Weile, bis ein Diener kam.
»Wer ist da gekommen?«
»Graf Hubert.«
»Ich lasse ihn bitten, in das Empfangszimmer zu gehen.«
»Er ist schon wieder fort, Frau Gräfin,« sagte der Lakai.
»Schon wieder fort?«
»Ja, er fragte nur, ob Niemand zurückgekommen wäre, und dann, ob Graf George im Hause sei. Als wir das verneinten, sprang er aus dem Sattel, warf Einem der Stallleute den Zügel zu und schlug rasch den Weg nach der Stadt zu Fuß ein.«