»Bemänteln? Davon ist keine Rede; aber nur nicht schmutziger machen, als es wirklich ist!« rief Arnold. »Und überhaupt, was geht uns irgend eine Familienangelegenheit an? Kehre Jeder vor seiner eigenen Thür, da hat er gerad' genug zu thun!«
»Sie paßten schön zu einem Zeitungs-Redacteur,« rief Strohwisch lachend.
»Allerdings für kein Blatt, das nur den Stadtklatsch ausbeutet!« sagte Arnold trocken, der den Menschen überhaupt nicht leiden konnte.
»Meine Herren, der Fackelzug!« rief in diesem Augenblicke Trauvest, dem ein Kellner die Meldung gemacht hatte, daß der Zug gerade die Straße heraufkam; »das Zimmer vorn ist offen.«
Alles sprang in die Höhe, um den Zug mit anzusehen, und das Gespräch war unterbrochen. Die Gäste strömten auch alle nach vorn, um den für Haßburg sehr seltenen Anblick eines solchen Schauspiels zu genießen, und Pfeffer, der heut Abend, seiner sonstigen Gewohnheit ganz entgegen, kein Wort in die Unterhaltung eingeworfen, nahm seinen Hut, zahlte seinen Schoppen Wein und schritt langsam in die vom Volk gefüllte Straße hinaus, nicht etwa, um den Fackelzug mit anzusehen, sondern gleich querüber in eine Seitenstraße einzubiegen und seine eigene Wohnung ungestört zu erreichen.
Er hatte auch ruhig die über Handor's Flucht ausgesprochene Vermuthung mit angehört, aber es interessirte ihn nicht, denn mit jenen Kreisen kam er nie in Berührung und kannte sie gar nicht. Andere Dinge gingen ihm aber im Kopf herum, und vorzüglich, ja, ausschließlich die Wendung, welche Rebe's Geschick unstreitig mit dem heutigen Abend genommen hatte, und das Einzige, was ihn dabei ärgerte, war, daß er ihm selber früher jedes Talent abgesprochen.
»Wer konnte das aber auch denken, wer konnte das auch denken?« murmelte er dabei immer vor sich hin; »so ein Duckmäuser, so ein verwünschter Duckmäuser! Und wie geheim er das Alles gehalten hat – und was wird die Jette dazu sagen? Nun ist's ganz vorbei, nun ist dem Faß der Boden ausgestoßen! Und Jeremias, der hat die ganze Geschichte mit angesehen, seine Glatze leuchtete ja ordentlich unten im Parket – merkwürdig, rein merkwürdig!«
Er hatte sein Haus erreicht, – denn diese abgelegenen Straßen schienen heut Abend von Menschen ganz gesäubert zu sein, so war Alles dem Fackelzuge zugeströmt – schloß auf und tastete sich die dunkle Treppe hinauf. Wie er über den Gang schritt, sah er durch das über der Thür angebrachte Fenster, das der Küche über Tag dürftiges Licht geben mußte, bei seiner Schwester drinnen noch die Lampe hell brennen.
Pfeffer schüttelte mit dem Kopf. Das Mädel saß jedenfalls noch da drinnen und arbeitete bis in die späte Nacht hinein, und der Jeremias hatte es ihr streng verboten. Wettermädel das, und ihre Augen sahen so schon roth genug vom vielen heimlichen Weinen aus! Aber er mochte die Schwester nicht mehr stören, die wahrscheinlich schon schlief, sonst wäre er gern noch einmal hinüber gegangen und hätte die Jette auch in's Bett geschickt, oder ihr noch vielleicht gesagt, was heut Abend vorgegangen; es brannte ihm ordentlich auf der Seele.
Das war aber heut Abend zu spät, morgen früh erfuhr sie's ja auch noch früh genug. Er ging leise an sein Zimmer hinüber, um nicht zu viel Geräusch zu machen, und er wollte aufschließen, denn der Schlüssel stak immer von außen. Es war aber schon aufgeschlossen, wer konnte da drinnen gewesen sein?