»Helene,« sagte Felix und schlang leise seinen Arm um sie, »mein liebes, liebes Frauchen, immer noch die trüben, traurigen Gedanken?«

»Ach, Felix,« seufzte die junge Frau, »soll ich fröhlich sein, wenn ich an das Schicksal der armen Paula denke?«

»Es ist unerklärlich,« rief Graf Rottack, indem er sie losließ und zum Fenster trat, »rein unerklärlich, wie das scheue, schüchterne Wesen nicht allein zu diesem Entschlusse, nein, zu der Ausführung desselben gelangte; denn hätte mir Jemand vorher gesagt, daß gerade Paula so selbstständig, so rücksichtslos selbstständig auftreten könne, ich würde ihn für thöricht erklärt haben.«

»Und ist es bestätigt, daß sie mit jenem Schauspieler entflohen ist?«

»Das Gerücht in der ganzen Stadt sagt allerdings Ja, und es bleibt uns beinahe nichts Anderes zu glauben übrig, als ihm beizustimmen. Handor ist gestern Abend, etwa zu der nämlichen Zeit verschwunden, so daß ein junger Anfänger im Theater seine Rolle übernehmen mußte, und leider lautet das, was ich über jenen Handor heute Morgen in der Stadt hörte, trostlos genug für Paula's künftiges Lebensglück.«

»Arme, arme Paula!«

»Daß sich die Eltern versöhnen ließen, daran ist nun vollends kein Gedanke,« fuhr Felix fort, »und ich fürchte, ich fürchte, das unglückliche junge Mädchen hat einem leichtsinnigen, gewissenlosen Menschen ihre ganze Zukunft anvertraut!«

»Und kann denn gar nichts geschehen, um sie zu retten?«

»Es ist die Frage,« sagte Felix ernst, »ob ihr Vater unter dem ersten Eindruck dieser tödtlichen Kränkung auch nur den Versuch dazu machen wird, und nachher – ist es zu spät. – Aber wer ist das? George Monford – großer Gott, wie todtenbleich er aussieht!«

Es war in der That George, der in diesem Augenblick vor dem Gartenthor abstieg und sein Pferd am Zügel in die innere Einfriedigung hineinziehen wollte. Felix sandte augenblicklich einen Diener hinaus, um es ihm abzunehmen, und wenige Minuten später betrat der junge Graf das Zimmer, in dem die beiden Gatten sich befanden.