»Ja,« sagte George leise, »aber bis dahin müssen wir thun, was in unseren Kräften steht. Ich weiß nicht, woher es kommt,« fuhr er nach einer kurzen Pause fort, »aber zu Ihnen, Frau Gräfin, und zu Ihrem Gatten habe ich mich vom ersten Moment hingezogen gefühlt, habe Vertrauen zu Ihnen gefaßt, und es war mir wunderbarer Weise immer, als ob wir uns eigentlich gar nicht so fremd, als ob wir schon lange mit einander bekannt, befreundet gewesen wären. Das gab mir damals den Muth, sogleich ohne Weiteres zu Ihnen zu kommen und Sie um Beistand in einer Sache zu bitten, die jetzt freilich anders geendet hat, als ich damals dachte. Ihnen, Frau Gräfin, empfehle ich jetzt auch meine Paula. Ich weiß, mit welcher Liebe die Schwester, der es genau so ging, an Ihnen hing, wie oft sie in der kurzen Zeit von Ihnen sprach. Seien Sie ihr eine Schwester, wenn ich – vielleicht verhindert werden sollte, das auszuführen, was ich heute begonnen.«
»Hier haben Sie meine Hand darauf,« sagte Helene, während sich ihre Augen mit Thränen füllten; »wir werden sie wiederfinden, und was treue Liebe vermag, sie zu trösten, ihr zu helfen, soll gewiß geschehen.«
»Ich danke Ihnen,« sagte George gerührt; »ich war davon überzeugt, ehe ich zu Ihnen kam, und jetzt gehe ich fröhlicher an meine Arbeit, da ich weiß, daß ich meine arme Paula nicht fremd, nicht hülflos ihrem Geschick begegnen sehe. Sie haben mir eine schwere Last von der Seele genommen.«
»Aber wollen Sie denn fort von hier?«
»Wahrscheinlich auf eine kurze Zeit, es ist wenigstens möglich, und da ich rasch abgerufen werden könnte, wollte ich doch nichts versäumt haben. Ich komme auch eben vom Telegraphenamte, wo ich in jener Richtung an vier verschiedene Freunde in verschiedenen Orten telegraphirt habe. Für den Fall aber, daß ich nicht hier sein sollte, gab ich Ihre Adresse auf; Sie sehen, Frau Gräfin, wie fest ich auf Ihre Güte rechnete.«
»Aber Paula wird doch gewiß unmittelbar an ihre Eltern schreiben,« sagte Felix.
»Ich glaube es auch, aber ich fürchte, meine Mutter nimmt, in der ersten Zeit wenigstens, keine Briefe von ihr an, und der Vater ist so leidend, daß ich nicht auf ihn rechnen kann.«
»Großer Gott,« seufzte Helene, »welches Unheil kann ein einziger schlechter Mensch über eine glückliche Familie bringen, und wie furchtbar schnell fiel der Schlag!«
»Furchtbar schnell,« wiederholte George leise und fast tonlos die Worte, »ganz furchtbar schnell, und wir waren so glücklich, so ahnungslos glücklich! Aber es hat nicht sein sollen,« fuhr er plötzlich mit fester Stimme und sich wieder hoch aufrichtend fort, »und da es einmal geschehen, müssen wir dem Schicksal trotzig die Stirn bieten.«
»Sie wollen schon fort?«