Rebe fand den Director in seinem Bureau mit auf den Rücken gelegten Händen auf und ab gehen.
»Mein lieber Herr Rebe,« rief er und streckte ihm die Hand entgegen, »es freut mich ausnehmend, daß Sie meinem Wunsche so pünktlich nachkommen; eben schlägt es Zwölf.«
»Herr Director, Sie werden mir das Zeugniß geben, daß ich nie säumig gewesen bin.«
»Nie, gewiß nicht, nein wahrhaftig! Sie hielten immer musterhaft auf Ordnung; aber bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen?«
Rebe setzte sich und merkte dem Director an, daß er sich in irgend einer Verlegenheit befand. Er schien wirklich nicht recht zu wissen, wie er beginnen sollte, und rückte unruhig auf seinem Stuhle hin und her.
»Nun, wie haben Sie diese Nacht geschlafen?« begann er endlich. »Nicht wahr, vortrefflich? Dachte es mir. Auf Lorbeern schläft sich's vorzüglich,« setzte er lächelnd hinzu, »und ich muß Ihnen gestehen, daß Sie die gestern reichlich und verdient geerntet haben.«
»Sie sind so gütig.«
»Bitte, Sie wissen, ich schmeichle nie; ein Theaterdirector kann das auch nicht. Übrigens haben Sie doch wohl erfahren, welchen Streich mir Herr Handor gespielt?«
»Ich muß Ihnen gestehen, daß ich seine Flucht nicht begreife.«
»Es ist die bodenloseste Undankbarkeit, die mir je im Leben vorgekommen; sie ist eigentlich undenkbar, classisch großartig, und er hat mich dadurch in die furchtbarste Verlegenheit gesetzt.«