Rebe schwieg. Er war fest entschlossen, sich nicht anzutragen, und Director Krüger durch den Ausruf in eine Sackgasse gerathen.

»Ja, furchtbarste Verlegenheit,« fuhr er nach einer etwas zu langen Kunstpause fort, »aus der Sie uns allerdings für gestern Abend durch Ihr kühnes Einspringen gerissen. Aber was jetzt weiter? Haben Sie sich schon wieder engagirt, Herr Rebe?«

Rebe lächelte. »Sie wissen wohl, Herr Director, daß die Zeit dazu doch etwas zu kurz gewesen wäre.«

»Hm, ja, und – und hätten Sie Lust, an unserer Bühne noch ein paar Versuche zu machen?«

»Mein Engagement ist mit dem heutigen Tage abgelaufen. Sie meinen auf Gastrollen?«

»Hm, ja, und – wenn auch –« Der Director rückte wieder herum. Er hatte jedenfalls etwas, und Rebe konnte sich nicht denken, was es sein möchte. »Hören Sie, Herr Rebe,« platzte er endlich heraus; »es kann nichts helfen, ich muß aufrichtig mit Ihnen reden, denn das Drumherumgehen ist meine Sache nicht; ich bring's nicht fertig.«

»Und ist das bei mir nöthig, Herr Director?«

»Ich will Ihnen etwas sagen,« fuhr Krüger entschlossen fort. »Sie wissen, daß Sie gestern dem Publikum ausnehmend gefallen haben; es hat Ihnen davon jeden Beweis gegeben. Auch der Erbprinz war entzückt von Ihrem Spiel. Das will aber Alles noch nichts sagen, denn allen Respect vor Seiner Königlichen Hoheit, aber ein Urtheil in solchen Dingen haben die Herren sehr selten. Die Hauptsache jedoch bleibt die, Sie haben mir gefallen, Herr Rebe, Sie haben mich hingerissen, die Thränen sind mir altem Esel in die Augen gekommen, was mir, so lange ich fast denken kann, nicht passirt ist, und gestern Abend, ja noch heute Morgen bis etwa vor einer Stunde, war ich fest entschlossen, Sie unter jeder nur einigermaßen annehmbaren Bedingung an unsere Bühne zu fesseln.«

»Und jetzt?« sagte Rebe erwartungsvoll.

»Da bekam ich,« fuhr der Director fort, »vor etwa einer halben Stunde den Wisch da.« Und er zeigte auf einen neben Rebe auf dem Tisch liegenden Brief. »Lesen Sie.«