»Und wer schreibt denn überhaupt all' diese Recensionen?« fuhr Rebe fort. »Gehen Sie all' unsere Kritiker durch, und unter den Tausenden, die davon leben, haben Sie kaum fünfzehn oder zwanzig ehrenwerthe und tüchtige Männer, die auch wirklich selber etwas schaffen können. Die Anderen sind lauter heruntergekommene oder noch nie oben gewesene Literaten, die, nicht im Stande, etwas Selbstständiges zu arbeiten, sich nun auf's hohe Pferd setzen und an uns armen Schauspielern, wenn wir ihnen nicht das Blutgeld zahlen, oder an anderen Schriftstellern ihr Gift und ihre Galle auslassen!«
»Aber was hilft Ihnen das? Es ist einmal so, und gegen den Strom kann kein Mensch schwimmen.«
»Oh doch, Herr Director,« lächelte Rebe; »es geht allerdings etwas langsamer, aber es geht.«
»Fangen Sie mit dem an,« rief Krüger, »der scheut sich vor keiner schmutzigen Arbeit!«
»Das glaube ich Ihnen, das thun alle diese Herren nicht; aber ich bezweifle doch, daß er das Publikum so in seiner Gewalt hat, um über einzelne Individuen nach Belieben zu disponiren.«
»Passen Sie auf,« rief Krüger, »ich gebe Ihnen mein Wort, wenn er Sie in seiner nächsten Nummer richtig herunter macht – und das thut er jetzt, darauf können Sie Gift nehmen, – dann rührt sich am nächsten Abend keine Hand, und was das Schlimmste ist, die Leute gehen vielleicht noch ein- oder zweimal aus Neugierde in's Theater, wenn Sie spielen, aber nachher bleiben sie aus wie Röhrwasser.«
»Ich muß es abwarten.«
»Bedenken Sie doch nur,« fuhr Krüger fort, »einem bösen Hunde giebt man zwei Knochen. Was haben Sie denn davon, wenn Sie Tag um Tag im Blatt heruntergerissen werden?«
»Aber wie kann ich's hindern?«
»Gleichen Sie's aus,« rief Krüger rasch, »Strohwisch ist kein Unmensch; mit Geld ist Alles zu machen, und hier – Apropos, lieber Rebe, eh' ich's vergesse, hier habe ich auch Ihr Spielhonorar für gestern Abend.«