»Herr Director...«
»Bitte mir's aus, das stand nicht in Ihrem Contract, und wenn mir Jemand gestern Abend das Messer auf die Brust gesetzt hätte, würde ich mit Wonne das Vierfache bezahlt haben. Das dürfen Sie auch nehmen, Sie haben sich's ehrlich und redlich verdient, und mein Dank für Sie bleibt dabei immer noch derselbe.«
Dabei legte er ihm fünf Friedrichsd'or auf den Tisch, und Rebe's Ehrgefühl sträubte sich erst, so nothwendig er das Geld auch brauchte, dagegen, es anzunehmen, weil er gestern eben noch im Engagement gestanden. Allerdings war es ein außerordentlicher Fall gewesen, und Krüger, der, wenn er wollte, ganz liebenswürdig sein konnte – er wollte nur selten, – bewies ihm mit einer solchen Herzlichkeit, daß er ihn selber beleidigen würde, wenn er etwas verweigerte, was eine reine und einfache Schuldsache der Direction sei, daß er es endlich nicht länger ausschlagen konnte.
»Und – nun,« sagte Krüger, »wenn Sie meinem Rathe folgen, gehen Sie ohne Weiteres zu Strohwisch, Umstände brauchen Sie mit ihm nicht zu machen, und drücken ihm zwei davon in die Hand. Sie sollen dann einmal sehen, was für eine Recension morgen erscheint!«
»Da schenkt' ich sie lieber dem ersten armen Menschen, der mir begegnet, Herr Director,« sagte Rebe. »Ich bin fest entschlossen, mir meinen Weg zu erkämpfen; nur so kann ich mir selber genügen und Freude an der Sache behalten. Im andern Falle müßte ich mich vor mir selber schämen.«
»Das ist sehr schön und ehrenwerth von Ihnen,« sagte der Director trocken, »wird Ihnen aber hier den Hals brechen; Sie sollen sehen.«
»Und wollen Sie es trotzdem versuchen?«
»Ich will Ihnen etwas sagen, Rebe,« erwiderte der Director nach einer kurzen Pause. »Es ist wohl nicht nöthig, ein Wort über die Vergangenheit zu verlieren – das ist abgemacht, und ich gestehe ein, daß wir Sie verkannt haben. Sie besitzen in der That ein schönes Talent, und ich muß aufrichtig sagen, daß ich selber neugierig wäre, dessen Entwickelung zu beobachten. Nach dem gestrigen Abend würde ich Ihnen auch augenblicklich einen neuen jährigen Contract mit ganz annehmbaren Bedingungen angeboten haben, wenn Sie sich nicht mit diesem Strohwisch verfeindet hätten. Glauben Sie nicht etwa,« fuhr er rasch fort, als er sah, Rebe wolle etwas darauf erwidern, »daß ich selber nur so viel für das Urtheil jenes Menschen gebe. Er versteht vom Theater so viel wie eine Kuh, aber das Publikum liest trotzdem jeden Morgen sein Blatt, und ich weiß aus Erfahrung, welchen Einfluß es, so absurd das klingen mag, ausübt. Aber ich will Ihnen einen Vorschlag machen; es muß Ihnen selber daran liegen, Ihr Talent auch noch in anderen Rollen zu erproben. Ich engagire Sie deshalb für einen Monat – nennen Sie das Gastrollen, wenn Sie wollen – gebe Ihnen zweihundert Gulden für die Zeit und außerdem das Versprechen, Sie wenigstens in acht großen Rollen zu beschäftigen. Sind Sie das zufrieden?«
»Sie begegnen meinem innigsten Wunsche,« sagte Rebe erfreut, »denn gerade um das hatte ich Sie bitten wollen.«
»Desto besser, die Sache wäre also abgemacht. Wenn Sie denn Courage haben, so beißen Sie sich in der Zeit mit Strohwisch herum, und behaupten Sie das Feld, was ich aber, ehrlich gesagt, bezweifle, so sprechen wir weiter mit einander; behaupten Sie es nicht, nun, so haben Sie in der Zeit wenigstens Ihre Kräfte geprüft und ich selber Zeit gewonnen, mich nach einem andern ersten Liebhaber umzusehen. Ich glaube, das ist ein ehrlicher Handel.«