»Für den ich Ihnen von Herzen dankbar bin,« rief Rebe, in die gebotene Hand einschlagend; »nur Eine Bedingung habe ich noch zu stellen.«
»Und die wäre?«
»Daß Sie den Contract von gestern datiren und die fünf Friedrichsd'or als Abschlagszahlung betrachten.«
»Sie sind ein komischer Kauz,« lachte der Director, »und ich muß Ihnen gestehen, etwas Ähnliches ist mir in meiner Praxis noch nicht vorgekommen. Meier ging gestern Abend gar nicht eher weg, bis er seine versprochenen zehn Thaler hatte.«
»Darüber sprechen wir noch. Jetzt muß ich nach Hause, und heute Abend kommen Sie um acht Uhr, wenn Sie können, einmal in meine Wohnung, daß wir mit Sulzer das Repertoire bereden. Also auf Wiedersehen, Rebe, und – halten Sie sich tapfer!«
26.
Der reiche Mann.
Die Welt! Wie wunderbar verschieden der Begriff sich stellt. Für den Einen ist es das weite, unermessene Universum mit seinen kreisenden Sonnensystemen, für den Andern das enge Haus, der kleine, beschränkte Raum am eigenen Herd.
Auch unsere Erde nennen wir die Welt, und in wie viel tausend Welten zerspaltet sich ein einzig Städtchen drin, eine jede abgesondert für sich mit ihren Sorgen und Freuden, ihren Leidenschaften, ihrem Ringen und Streben.
Wen von uns Allen ist nicht schon einmal ein solch' Gefühl überkommen, wenn er Abends in später Stunde durch eine Straße wanderte und die verschiedenen, nur durch dünne Mauern getrennten erleuchteten Familienwohnungen sah! Hier Licht und Glanz und laute Fröhlichkeit; dort, dicht daneben, nur durch einen dunkeln Strich geschieden, Jammer und Elend und bleicher Sorge nagende Pein; hier Einigkeit und Liebe in dürftiger Dachkammer, und dicht darunter, daß Eins die Schritte des Andern hört, Haß und Zwietracht.