»Es ist nichts, liebe Mutter, wie geht es dem Vater?«
»Besser, er ist auf. Der Ober-Medicinalrath meint, es sei nur eine Ohnmacht gewesen und habe nichts zu sagen. Aber Du mußt Dich schonen. Die Aufregung dieser Nacht hat Dich furchtbar angegriffen und Du bist wohl auch ohne Speise und Trank geblieben.« Sie klingelte, und als der Diener das Zimmer betrat, rief sie ihm zu: »Das Frühstück für meinen Sohn; bringen Sie es herein.«
»Ich danke Dir, Mutter, ich fühle weder Hunger noch Durst.«
»Aber Du mußt etwas genießen, daß Du mir nicht auch am Ende krank wirst. Wir haben Elend genug im Hause, das weiß Gott,« sagte sie mit düsterer Stimme.
Wieder schwiegen Beide, und der Diener kam jetzt herein und brachte einige Speisen, zu denen er eine Caraffe mit Portwein auf den Tisch stellte.
George schenkte sich ein Glas Wein ein, das er leerte, und aß ein paar Bissen; dann schob er den Teller zurück. Er war aufgestanden und ging ein paar Mal im Zimmer auf und ab.
»Mutter,« sagte er endlich leise, indem er vor ihr stehen blieb, »Paula wird sicher in diesen Tagen an Dich schreiben.«
»Nenne mir den Namen nicht mehr,« rief die Gräfin heftig, indem ihr Blick selbst finster und drohend wurde, »ich will ihn nicht wieder hören.«
»Es ist der Name Deiner Tochter, Mutter, – Deines Kindes.«
»Ich habe keine Tochter mehr,« sagte die Gräfin, indem sie sich gewaltsam emporrichtete. »Nie hat eine Tochter ihre Eltern tödtlicher beleidigt, nie gewaltsamer die Bande zerrissen, die sie an sie banden. Es ist geschehen, aber deshalb kein Rücktritt auch mehr möglich. Ich kenne sie nicht mehr.«