»Aber die größten Künstler thun es!« rief der Director in Verzweiflung.

»Das mögen sie mit ihrem Gewissen ausmachen,« sagte Rebe ruhig; »ich habe vielleicht, wie ich Ihnen gern zugestehen will, ganz eigenthümliche Begriffe von Ehre, aber meine Meinung ist auch die, daß solche literarische Blutegel gar nicht existiren könnten und elend zu Grunde gehen müßten, wenn Alle so dächten wie ich. Von mir sollen sie wenigstens nie auch nur eines Groschens Werth Unterstützung bekommen, und sind sie nur die Ursache, daß ich am Theater nicht vorwärts komme, gut, dann habe ich mir selber wenigstens keine Vorwürfe zu machen und kann nachher mit Ehren die Bühne verlassen.«

»Wieder »Mit Ehren«,« rief der Director ungeduldig. »Gut, dann machen Sie meinetwegen was Sie wollen, ich werde mir die Zunge nicht weiter daran verbrennen; Sie haben's nicht besser verlangt. Und worin also gedenken Sie das nächste Mal aufzutreten? Unser Repertoire kennen Sie ja.«

»Ich möchte Sie um den Fiesco bitten, Herr Director.«

»Fiesco, hm – meinetwegen; Eins ist so gut wie's Andere, und Fiesco auch eigentlich lange nicht da gewesen. Also nächsten Mittwoch, wenn es Ihnen recht ist, denn Sonntags bringt mir eine Posse mehr ein.«

»Und als zweite Rolle möchte ich Sie um den...«

»Thun Sie mir den Gefallen und lassen Sie uns wegen der zweiten Rolle noch nicht den Kopf zerbrechen. Erst wollen wir einmal sehen, wie die erste abläuft.«

»Sie scheinen kein rechtes Vertrauen zu haben.«

»Hab' ich auch nicht,« sagte Krüger, »weil ich meine Pappenheimer kenne. Also auf morgen werde ich die erste Probe ansetzen, Herr Rebe, Sie sind doch fertig?«

»Ich könnte die Rolle morgen Abend spielen.«