»Ganz vernünftig von ihm, denn Du hättest Dich caput gearbeitet, das ist sicher. Nun aber sieh nach Deiner Küche, Schatz, daß wir 'was zu essen bekommen!«

»Ist Alles in Ordnung, Onkel,« nickte Jettchen, »brauche nur ein wenig nachzulegen, denn während es kochte, bin ich blos die zwei Schritt hinüber gelaufen. Punkt zwölf Uhr kann das Essen auf dem Tisch stehen.«

Jeremias stieg in einer unbeschreiblichen Stimmung die Treppe hinab, und niemand Anders war die Veranlassung dazu, wie der arme, unselige Recensent.

»Oh Du Federfuchser,« rief er dabei halblaut vor sich hin und ballte die gar nicht so unansehnliche Faust gegen das Treppengeländer, »oh Du verfluchter Federfuchser – hätt' ich Dich, wie wollt' ich Dich!« Aber er hatte ihn eben nicht, und es blieb ihm nichts weiter übrig, als Rebe aufzusuchen, um mit diesem zu besprechen, was sich etwa in der Sache thun ließ, denn daß sich etwas thun ließ, davon war er fest überzeugt.

Rebe fand er allerdings, aber bei ihm selber auch nicht die geringste Unterstützung in der Angelegenheit.

Rebe blieb dabei, daß die Persönlichkeit, von welcher der Angriff stamme, so tief unter ihm stehe, daß er gar nichts in der Welt mit ihm anfangen könne, und was das beträfe, gegen ihn zu agiren, so würde er sich dadurch mit diesem Strohwisch genau auf Eine Stufe stellen, daran sei also gar nicht zu denken. Die einzige Waffe, die er in Händen habe, sei die, dem Publikum durch seine Darstellung zu beweisen, daß Jener gelogen habe; weiter könne er nichts, weiter werde er nichts thun.

Jeremias suchte ihn darauf aufmerksam zu machen, daß er sein Fortkommen an hiesiger Bühne sichern wolle, und Rebe behauptete, das wäre nur dadurch möglich, daß er alle Chancen liefe. Aber sich jetzt und für Eine Vorstellung einen Erfolg sichern und damit alle übrigen noch in Frage gestellt lassen, käme ihm ungefähr ebenso vor, als ob Jemand über einen mächtigen Strom schwimmen wolle und zuerst in einem Teich versuche, ob er sich eine so lange Zeit über Wasser halten könne, bei dem Versuch aber Blasen unter die Arme binde. Er täusche Niemanden damit als sich selber, und müsse dann später dafür büßen.

Es war mit dem Menschen nichts anzufangen, denn er blieb hartnäckig dabei, daß er ehrenvoll siegen oder lieber seine Stellung aufgeben und anderswo beginnen wolle; denn nur dadurch könne er sich seine Selbstachtung und die Achtung anderer ehrenwerther Leute bewahren.

Jeremias mußte ihm ja wohl im Herzen Recht geben. Es war ganz hübsch und ehrlich gehandelt, aber dumm, stockdumm, wenn er das auch nicht gerade aussprach, und in voller Verzweiflung lief er endlich hinüber zu Director Krüger, um von diesem vielleicht eine andere Ansicht zu hören. Das Mittagessen bei Pfeffers hatte er lange vergessen und versäumt.

Hier fand er seinen Mann. Krüger, dem selber daran lag, daß sich Rebe am hiesigen Theater behaupten möge – denn wo fand er solchen ersten Liebhaber gleich für die Gage wieder, mit der er sicher die erste Zeit mit Rebe abschließen konnte –, gab Jeremias in Allem Recht und war so vollkommen in jeder Hinsicht seiner Meinung, daß ein Gespräch fast ganz unmöglich wurde.